Das Abhängikeitspotential von Benzodiazepinen : Eine Untersuchung der beeinflussenden Faktoren und Bedingungen der Benzodiazepinabhängigkeit

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Dokumentart: Bachelor Thesis
Institut: Department Gesundheitswissenschaften
Sprache: Deutsch
Erstellungsjahr: 2016
Publikationsdatum:
SWD-Schlagwörter: Benzodiazepine , Sucht , Schlafmittel , Beruhigungsmittel
DDC-Sachgruppe: Medizin, Gesundheit

Kurzfassung auf Deutsch:

Die dargelegten Ergebnisse und die vorangegange Diskussion der Erkenntnisse verdeutlichen, dass der Missbrauch und vor allem die hohe Zahl der Benzodiazepin- Abhängigen in Deutschland nicht nur auf einen ursächlichen Faktor zurückzuführen ist, sondern ein multifaktorielles Geschehen darstellt. Bei den Bedingungsfaktoren können psychische, physische und soziale Faktoren der PatientInnen, problematisches Verschreibungsverhalten der Ärzteschaft oder auch ungenügende Aufmerksamkeit der Apotheken herangezogen werden. Die Pharmaindustrie für ihren Teil beeinflusst ÄrztInnen, Apotheken und PatientInnen beispielsweise über suggestive Werbemethoden und nehmen so erheblichen Einfluss auf das Verordnungverhalten, Verordnungswünsche und Verkaufszahlen (BÄK 2016). Doch gerade bei der Markteinführung von Benzodiazepinenen kann man von einem erheblichen Anteil des Herstellers an der Entwicklung der hohen Abhängigkeitprävalenzen sprechen, da Risiken (Missbrauch und Abhängigkeit) von Seiten der Hersteller nicht kommuniziert wurden. Ähnliches wiederholte sich nun auch mit den Z-Substanzen, deren Riskio anfangs ebenfalls unterschätzt wurde. Hinzu kommt die zunehmende Unübersichtlichkeit der Benzodiazepinderivate auf dem Arzneimittelmarkt, bei denen eine klare Abgrenzung zwischen Tranquilizer und Hypnotika oft nicht möglich ist und die Indiaktion der ÄrztInnen häufig aufgrund von unspezifischen Symptomen oder Alltagsbeschwerden wie Unruhe oder innere Anspannung erfolgt. Gesellschaftliche Faktoren wie zeitlicher Druck, Konkurrenzverhalten, hohe Leistungsanforderungen und Erfolgserwartungen, vor allem im Bildungs- und Arbeitssektor als auch die Zunahme von Befindlichkeitsstörungen in der Bevölkerung bestärken ebenso die Einnahme von bestimmten Arzneimitteln wie Benzodiazepinen zur Alltagsbewältigung und führen dann häufig zur Abhängigkeit (Herrmann 2013, 98). Der Zugang zu Benzodiazepinen ist für Betroffene in der Regel immernoch sehr leicht und gerade Personen mit einer bestehenden Abhängigkeit werden aufgrund des Suchtdrucks mitunter sehr kreativ bezüglich ihrer Beschaffungsmöglichkeiten. Es werden von den PatientInnen mitunter verschiedene ÄrztInnen aufgesucht, um an eine Wunschverordnung zu gelangen oder der Versuch in Apotheken Benzodiazepine ohne Rezept oder mit einer gefälschten Verordnung zu erhalten ist möglich. Der Schwarzmarkt bzw. die Drogenszene wird hautpsächlich von Drogenabhängigen mit polykomanen Einnahmeverhalten genutzt. Seit 2004 ist es durch Bestellungen von Benzodiazepiderivaten über illegale Versandapotheken nun noch leichter an das verschreibungspflichtige Mittel auf ohne Rezept zu gelangen (Lachenmeier, Böse & Löbell-Berehnds 2013, 133 f.). Ohne Zweifel ist die Prävalenz der Benzodiazepinabhängigkeit in der Bevölkerung immer noch sehr hoch und führt zu schwerwiegenden sozialen, gesundheitlichen und ökonomischen Folgeschäden. Die Prävention der Benzodiazepin-Abhängigkeit bedarf aufgrund der Fülle an bedingenden Faktoren auch eine fachübergreifende Zusammenarbeit aller Berufsgruppen, die an der Herstellung, Verordnung oder Abgabe beteiligt sind. Nicht umsonst liegen mittlerweile für jede Berufsgruppe, die mit der Verordnung oder Abgabe von Benzodiazepinen zu tun hat, Leitlinien oder ein Leitfaden vor. Hier ist beispielsweise der Leitfaden für die ärztliche Praxis der Bundeärztekammer (2007) zum Thema „Medikamente – Schädlicher Gebrauch und Abhängigkeit“ zu nennen, ebenso wie der Leitfaden für die apothekerliche Praxis „Medikamente: Abhängigkeit und Missbrauch“ der Bundesapothekerkammer (2011). Ebenso bestehen gesetzliche Vorschriften die den Umgang von Ärztlicher, Pharmazeutischer und Patientenseite reglementiert. Die Arzneimittelrichtlinie, die beispielsweise über die Aufklärung der PatientInnen oder Prüfung der Wirtschaftlichkeit und des Nutzens bei wiederholter Verordnung von ärztlicher Seite beinhaltet, ist dringend zu beachten (GBA, 2016a). Das Betäubungsmittelgesetz, dem bestimmte Benzodiazepinwirkstoffe ganz unterliegen oder welches zumindest die Dosierung im BtMG begrenzt ist ebenfalls von Ärztlicher und pharmazeutischer Seite von großer Wichtigkeit. Apotheken haben im Umgang mit Benzodiazepine zunächst die Apothekenbetriebsordnung zu berücksichtigen, aus der hervorgeht, dass das pharmazeutische Personal einem erkennbaren Arzneimittelgebrauch entgegenzutreten hat und bei Auffälligkeiten die Rücksprache mit den ÄrztInnen zu suchen. Informationsvermittlung und Aufklärung über Arzneimittelmissbrauch und –abhängigkeit zählen ebenso zum Aufgabenkreis der Apotheken (DHS 2015a, 161 ff.). Im Vergleich zu allen anderen Suchtstoffen sind Arzneimittel nur durch den Kontakt zu Experten, dass heißt durch ÄrztInnen und Apotheken zu erhalten. Demnach kommt beiden Berufsgruppen eine erhebliche Verantwortung bei der Verschreibung, Beratung, Empfehlung und Verkauf von psychotropen Arzneimitteln, wie auch Benzodiazepinen zu.

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