Polykonsum psychotroper Substanzen in der deutschen Allgemeinbevölkerung- Eine Analyse der Verteilung

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Dokumentart: Diplomarbeit, Magisterarbeit, Master Thesis
Institut: Department Gesundheitswissenschaften
Sprache: Deutsch
Erstellungsjahr: 2010
Publikationsdatum:
SWD-Schlagwörter: Psychopharmakon , Verbrauch , Bevölkerung , Deutsche
DDC-Sachgruppe: Psychologie

Kurzfassung auf Deutsch:

Einleitung: Der Gebrauch psychoaktiver Substanzen stellt nach wie vor ein vermeidbares Gesundheitsrisiko dar. Ein Konsum oberhalb substanzspezifischer Gefährdungsgrenzen lässt physische und psychische Folgeschäden erwarten und erhöht das Risiko für die Entwicklung substanzbezogener Störungen wie Missbrauch und Abhängigkeit. Gerade der Konsum mehrfacher Substanzen auf riskantem Niveau birgt durch den kumulativen Effekt der Wirksubstanzen gesundheitliche Risiken, die schwer messbar sind. In der vorliegenden Arbeit wurde die epidemiologische Verteilung des Polykonsums in der deutschen Allgemeinbevölkerung anhand vier ausgewählter legaler und illegaler Substanzen untersucht. Weiterhin wurden Faktoren ermittelt, die einen riskanten Polykonsum voraussagen. Methodik: Für die Analyse wurden Daten des Epidemiologischen Suchtsurvey (ESA) von 2006 verwendet. Diese repräsentative Bevölkerungsstichprobe umfasst 7.912 Erwachsene im Alter von 18 bis 64 Jahren. Die Verteilung des Polykonsums wurde anhand substanzspezifischer Mengengrenzwerte deskriptiv dargestellt. Basierend auf dem Konsumverhalten wurden die Konsumenten in drei Risikogruppen klassifiziert und hinsichtlich soziodemografischer Merkmale und substanzbezogener Störungen (Missbrauch und Abhängigkeit) untersucht. Zur Voraussage eines riskanten Polykonsums wurde eine binäre logistische Regression durchgeführt. Die Analyse erfolgte mit Stata/SE 10.1. Ergebnisse: 4,1% der Konsumenten zählen zu den riskanten Polykonsumenten. Diese hatten bei allen vier Substanzen den höchsten Anteil an Störungen. Alkoholbezogene Störungen waren dabei mit 34,1% am häufigsten. Die Verteilung der Störungen über die Risikogruppen zeigt bei Alkohol (39,6%), Tabak (45,6%) und psychoaktiven Medikamenten (45,8%) den höchsten Anteil in der Gruppe der Single-Risiko-Konsumenten. Cannabisbezogene Störungen sind am häufigsten bei riskanten Polykonsumenten. In der logistischen Regression zeigten Männer (OR:2,8; KI:1,77-4,29), die Altersgruppen (30- bis 49-Jährige: OR:2,9; KI:1,66-4,89; 50- bis 64-Jährige: OR:4,5; KI:2,49-8,06) und der Gesundheitszustand (guter: OR:2,0; KI:1,04-4,26; durchschnittlicher: OR:3,0; KI:1,43-6,25; schlechter/sehr schlechter: OR:2,8; KI:1,12-6,79) signifikante Odds Ratios. Diskussion: Die Notwendigkeit für Public Health Maßnahmen bleibt. Um das Risiko zu senken, sollten Präventionsmaßnahmen initiiert werden, die auf mehrere Substanzen abzielen, anstatt eine in den Vordergrund zu stellen. Das Bewusstsein der Konsumenten für gesundheitlich negative Konsequenzen durch einen riskanten Konsum sollte geschärft werden. Gleichzeitig sollten Interventionen nicht allein substanzabhängig stattfinden, sondern beeinflussende psychosoziale Faktoren weiterhin mit berücksichtigen.

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