Potenziell inadäquate Medikation bei Patienten ab 65 Jahren: Ein Vergleich von Ergebnissen der Arzneimittel-Klassifikationen FORTA und PRISCUS im Integrierten Versorgungssystem Gesundes Kinzigtal

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Dokumentart: Bachelor Thesis
Institut: Department Gesundheitswissenschaften
Sprache: Deutsch
Erstellungsjahr: 2014
Publikationsdatum:
SWD-Schlagwörter: Kinzigtal , Arzneiverordnung , Älterer Mensch
DDC-Sachgruppe: Medizin, Gesundheit

Kurzfassung auf Deutsch:

Hintergrund: Die Pharmakotherapie älterer Patienten bedarf einer Anpassung an altersbedingte physiologische Veränderungen und muss die im Alter gehäuft vorkommende Multimorbidität berücksichtigen. Diese und weitere Faktoren erhöhen das Risiko für unerwünschte Arzneimittelwirkungen. Arzneimittel, die ein erhöhtes Potenzial für UAW haben oder bei älteren Patienten nicht wirksam sind und für die zeitgleich eine risikoärmere Alternative auf dem Arzneimittelmarkt verfügbar ist, werden in diesem Zusammenhang als potenziell inadäquate Medikation (PIM) für ältere Patienten identifiziert. Zwei Arzneimittelklassifikationen die PIM identifizieren werden in dieser Arbeit näher betrachtet: Die PRISCUS-Liste und die FORTA-Klassifikation. Ziele: Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, ob sich das Verordnungsverhalten von PIM für ältere Patienten anhand von PRISCUS- oder FORTA-Kennzahlen bewerten lässt und ob anhand der Bewertung Verbesserungspotenziale ausgemacht werden können. Methodik: Für die Anwendung auf Basis von Routinedaten der Integrierten Versorgung (IV) Gesundes Kinzigtal wurden beide Arzneimittelklassifikationen zunächst operationalisiert. Daraufhin sind aggregierte Kennzahlen und eine praxisindividuelle Ansicht auf Wirkstoff- bzw. Indikationsebene generiert worden. Zudem ist die Ansicht auf pseudonymisierter Versichertenebene ermöglicht worden. Im Anschluss werden die Instrumente anhand von fünf Kriterien gegenübergestellt. Ergebnisse: Im Vergleich der aggregierten Kennzahlen ist sowohl ein Unterschied in der Prävalenz, als auch im berechneten Trend zu erkennen. Die Betrachtung einer Beispielpraxis zeigt, dass die verschiedenen Prävalenzen und Trends sowohl auf die Wirkstoffauswahl der einzelnen Instrumente als auch die Indikationsabhängigkeit bzw. -unabhängigkeit zurückzuführen ist. Die indikationsunabhängige PRISCUS-Liste ist ein reliables Instrument zur Ermittlung der Prävalenz. Sie ist jedoch nur in geringem Maße valide, da die individuelle Konstitution des Patienten unberücksichtigt bleibt. Für die FORTA-Klassifikation hingegen ergibt sich im Vergleich aus dem Einbezug der Diagnose eine geringere Reliabilität und eine höhere Validität. Für beide Instrumente kann die Validität durch die Betrachtung auf der Wirkstoff- bzw. Diagnoseebene gesteigert werden. Weiterhin kann eine Einzelfallbetrachtung die Validität erhöhen, jedoch zu Lasten der Machbarkeit. Fazit: Die Eignung der aggregierten Prävalenzen als Qualitätsindikatoren für das Verordnungsverhalten von PIM bei älteren Patienten ist eingeschränkt, da die tatsächliche Prävalenz nur unzureichend abgebildet wird. Durch die Anwendung von Detailansichten z.B. in Feedback-Reports kann das tatsächliche Verordnungsverhalten jedoch dargestellt und besser bewertet werden. Zudem kann mit den Detailansichten ein Beitrag zur Verbesserung der Arzneimitteltherapiequalität geleistet werden, indem Problemfelder aufgezeigt werden.

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