Leseförderung und Geschlecht. Eine Analyse von Geschlecht(errollen) und Geschlechtsidentitäten in Bilderbüchern zur Leseförderung Öffentlicher Bibliotheken

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Dokumentart: Bachelor Thesis
Institut: Department Information
Sprache: Deutsch
Erstellungsjahr: 2016
Publikationsdatum:
SWD-Schlagwörter: Leseförderung
DDC-Sachgruppe: Bibliotheks- und Informationswissenschaft

Kurzfassung auf Deutsch:

Diese Bachelorarbeit untersucht die Darstellung von Geschlecht in Bilderbüchern, die zur Leseförderung in Öffentlichen Bibliotheken empfohlen oder eingesetzt werden. Das Augenmerk liegt darauf, herauszufinden, ob sich die vorgefundene Geschlechterdarstellung zur Förderung der Geschlechtergerechtigkeit eignet. Wenn Leseförderung auch Geschlechtergerechtigkeit fördern soll, setzt das voraus, dass eine Vielfalt von Geschlechterentwürfen und Normalitäten sichtbar werden. Ausgehend von der Theorie, dass innerhalb der (meist homogen gedachten) Gruppen von Mädchen und Jungen jeweils mehr Unterschiede bestehen als zwischen den beiden Geschlechtern, wird in dieser Arbeit ein Verständnis von Geschlecht zugrunde gelegt, das von einer Vielfalt von Geschlechterentwürfen ausgeht. Die Frage ist also, welche Vorbilder Kindern in Bilderbüchern gezeigt werden und ob diese vielfältige Möglichkeiten zur freien Selbstentfaltung im Hinblick auf die geschlechtliche Verortung bieten. Um die Themenbereiche Leseförderung, Bilderbücher und Geschlecht in Bezug zueinander zu setzen, wird im Theorieteil auf den Auftrag der Bibliotheken eingegangen, in der Leseförderung auch die Geschlechtergerechtigkeit als Teil der Chancengerechtigkeit zu fördern. Des Weiteren wird das Bilderbuch – das zentrale Medium der Leseförderung – auf seinen pädagogischen Zweck hin untersucht, kulturelle (Geschlechter-)Normen und Werte zu transportieren. Um Geschlecht als Lesesozialisationsfaktor zu erfassen, wird auf verschiedene geschlechtertheoretische Ansätze rekurriert, auf essentialistisch-alltagstheoretische, sozialkonstruktivistische und dekonstruktivistische Geschlechterkonzeptionen. Die theoretischen Erkenntnisse werden in der Analyse auf vier Bilderbücher angewandt. Die Untersuchung der Bilderbücher zeigt, dass die analysierten Bilderbücher vorwiegend heteronormative (zweigeschlechtliche und heterosexuelle) Darstellungen von Geschlecht zeigen. Dabei werden die abgebildeten Kinderfiguren weniger normkonform gezeigt, erwachsene Figuren jedoch durchgehend stereotyp dargestellt. Darüber hinaus zeigt sich, dass Bilderbücher, bei denen der Figurenentwurf in Anlehnung an dekonstruktivistische Geschlechterkonzeptionen erfolgt, größeres Potenzial haben, eine geschlechtliche Vielfalt jenseits der dichotomen Darstellung von weiblich, männlich und heterosexuell abzubilden, ohne Geschlechterkategorien erneut festzuschreiben. Für die Leseförderung bedeutet dies, dass es einerseits notwendig ist, geeignete Bilderbücher für die Förderung der Geschlechtergerechtigkeit einzusetzen. Andererseits bedarf es aber auch geschulter Pädagog*innen, die sowohl Wissen über Geschlechterkonzeptionen mitbringen als auch die Fähigkeit, die eigene geschlechtliche Selbstverortung zu reflektieren.

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