Syndromische Surveillance in Notaufnahmen

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Dokumentart: Bachelor Thesis
Institut: Department Gesundheitswissenschaften
Sprache: Deutsch
Erstellungsjahr: 2016
Publikationsdatum:
SWD-Schlagwörter: Frühwarnsystem
DDC-Sachgruppe: Medizin, Gesundheit

Kurzfassung auf Deutsch:

Diese Arbeit diente der Bewertung der Nutzbarkeit von notfallmedizinischen Routinedaten auf Basis des MTS im Kontext einer syndromischen Surveillance akuter Infektionskrankheiten in deutschen Notaufnahmen. Sie verfolgte das Ziel, die Eignung eines solchen Systems zur frühzeitigen Detektion von Ausbrüchen bzw. saisonalen Häufungen akuter, ambulant erworbener Infektionskrankheiten einzuschätzen, um die zeitnahe Implementierung von effektiven Kontrollmaßnahmen zu ermöglichen und Krankheitsfälle zu verhindern. Weiterhin diente sie der Pilotierung einer syndromischen Surveillance, um zukünftig weitere Krankenhäuser zur Partizipation zu gewinnen und zunehmend kontinuierliche prospektive Datenanalysen zu ermöglichen. Eines der Hauptergebnisse war, dass die MTS-Daten und die daraus abgeleiteten Syndrome in der derzeitigen Form noch nicht im Kontext einer syndromischen Surveillance von Infektionskrankheiten nutzbar sind. Sie weisen zu viele Schwankungen auf und generieren durch eine niedrige Spezifität noch zu viele falsch-positive Signale. Dennoch offenbarte sich bereits das Potential der syndromischen Daten im Kontext eines Frühwarnsystems zur frühzeitigen und sensitiven Detektion von unerwarteten Häufungen und saisonalen Schwankungen. Ein weiteres Schlüsselergebnis dieser Studie stellt eine Vielzahl von Implikationen für die Forschung und Praxis in Deutschland dar, die bei der zukünftigen Implementierung und Weiterentwicklung der syndromischen Surveillance sehr hilfreich sein könnten. Die Studie unterlag einigen Limitationen, sodass durch die retrospektive Betrachtung eine Baseline zur Bewertung der Signale fehlte und die Zeitnähe nicht valide einzuschätzen war. Ferner traten besonders hinsichtlich der Spezifität der Syndrome sowie der geografischen und zeitlichen Repräsentativität Einschränkungen auf. Diese Schwächen der Studie wurden durch einige Stärken der Arbeit, wie eine große Stichprobenpopulation und eine ausführliche Analyse mit verschiedenen Methoden relativiert. Der Vergleich auf internationaler Ebene verdeutlicht das große Potential syndromischer Surveillance. Jedoch bestehen in Deutschland in diesem Bereich noch viele Verbesserungsmöglichkeiten und Forschungslücken, wobei bis dato keine bundesweite Surveillance in der Notfallversorgung deutscher Krankenhäuser für ambulant erworbene, akute Infektionskrankheiten existiert. Eine zeitnahe und kontinuierliche syndromische Surveillance auf Basis der Routinedaten deutscher Notaufnahmen könnte helfen, diese Lücke zu schließen. So könnten zu erwartende und bislang unbekannte infektionsepidemiologische Bedrohungen der Bevölkerungsgesundheit, die zu einer erhöhten Hospitalisierungsrate führen, frühzeitig erkannt, in ihrem Verlauf beobachtet und als Gefahr eingeschätzt werden. Die gewonnenen Erkenntnisse könnten zur Implementierung von Maßnahmen des Gesundheitsschutzes der Bevölkerung sowie zur Evaluation und Adjustierung von bereits veranlassten Maßnahmen genutzt werden. Langfristig könnte mit Hilfe einer auf MTS-Daten basierenden syndromischen Surveillance in Notaufnahmen ein deutschlandweites Netz zur Unterstützung der Überwachung von Infektionskrankheiten aufgebaut werden. Dazu besteht sehr großes Potential der syndromischen Surveillance in der Überwachung von Gesundheitsbedrohungen mit Public Health-Relevanz außerhalb von Infektionskrankheiten. Summa summarum sollte die syndromische Surveillance in Deutschland weiterentwickelt und ausgebaut werden, da eine Verbesserung und ähnlich positive Entwicklung wie in anderen Staaten realistisch scheint und zukünftig eine funktionierende syndromische Surveillance in deutschen Notaufnahmen zur Optimierung der Routinesurveillance hinsichtlich der Sensitivität und Zeitnähe implementiert werden könnte.

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