Orthorexia nervosa als psychisches Störungsbild: Der aktuelle Stand der Wissenschaft zur Pathologie orthorektischen Ernährungsverhaltens unter Berücksichtigung klinischer Merkmale und diagnostischer Kriterien

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Dokumentart: Bachelor Thesis
Institut: Department Ökotrophologie
Sprache: Deutsch
Erstellungsjahr: 2018
Publikationsdatum:
SWD-Schlagwörter: Orthorexie , Störung , Psyche , Pathologie , Ernährungsgewohnheit
DDC-Sachgruppe: Medizin, Gesundheit

Kurzfassung auf Deutsch:

Hintergrund & Methodik: Das Phänomen Orthorexia nervosa (ON) findet in der wissenschaftlichen Literatur zunehmend Beachtung. Es beschreibt die krankhafte Fixierung auf ein gesundheitsbewusstes Essverhalten. Derzeit wird diskutiert, ob ON ein psychisches Störungsbild darstellt. In der vorliegen Ausarbeitung wird mit-tels einer strukturierten Literaturrecherche in den Datenbänken Pubmed und Sci-enceDirect der aktuelle wissenschaftliche Stand zu ON erörtert. Wesentliche Ergebnisse: Zum gegenwärtigen Zeitpunkt gibt es keine einheitliche Begriffsdefinition und kein einheitliches, valides Diagnoseinstrument. Dadurch ist die Vergleichbarkeit der Publikationen zum Thema ON limitiert. Die in der ausgewerteten Literatur beschriebenen Symptome weisen Überschnei-dungen zur Definition einer psychischen Störung gemäß DSM-5 auf. Die perma-nente gedankliche Beschäftigung mit der Qualität von Lebensmitteln, ein stark ritu-alisiertes Essverhalten, strenge Restriktionen bei der Lebensmittelauswahl und Selbstbestrafungspraktiken können Abgrenzungen zu gesundem Essverhalten darstellen. Jedoch ermöglicht die heterogene Studienlage keinen wissenschaftlich fundierten Schluss, ob ON eine psychische Erkrankung darstellt. Es wurden Symptomüberschneidungen mit Anorexia nervosa und Zwangsstörun-gen festgestellt, in beiden Fällen gibt es jedoch auch relevante Unterschiede hin-sichtlich charakteristischer Diagnosekriterien. Die Entwicklung eines einheitlichen Diagnoseinstruments mit validen psychometri-schen Eigenschaften und die Durchführung weiterer evidenzbasierter Studien mit qualitativ hochwertigem Design sind notwendig, um schließlich eine wissenschaft-liche Bewertung und nosologische Einordnung von ON als potenzielles klinisches Störungsbild zuzulassen.

Kurzfassung auf Englisch:

Background & Methods: The phenomenon of Orthorexia nervosa (ON) gains in-creasing attention in the scientific literature. The term describes a pathological ob-session with proper nutrition. Current discussions are focusing on whether ON rep-resents a mental disorder. The present thesis discusses the scientific status of ON based on a literature research in the databases Pubmed and ScienceDirect. Results: Until now, there is no uniform definition of ON and no consistent, valid di-agnostic tool. This limits the comparability of publications. Symptoms described in the literature overlap with the definition of a mental disor-der according to DSM-5. ON differs from non-pathological healthy eating in terms of constant thoughts of food quality, ritualized patterns of eating, rigid avoidance of foods and self-punishment practices. However, the heterogeneous study situation does not allow a scientifically sound conclusion as to whether ON is a mental illness. Symptom overlaps with anorexia nervosa and obsessive-compulsive disorder have been found, but in both cases there are also significant differences when it comes to characteristic diagnostic criteria. The development of consistent diagnostic methods with valid psychometric proper-ties and the implementation of further evidence-based studies with high-quality de-sign are necessary to finally allow an evaluation and nosological classification of ON as a potential clinical disorder.

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