Der Einfluss von bariatrischer Chirurgie auf den Geruchs- und Geschmackssinn – eine Übersichtsarbeit zur aktuellen Studienlage

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Dokumentart: Bachelor Thesis
Institut: Department Ökotrophologie
Sprache: Deutsch
Erstellungsjahr: 2017
Publikationsdatum:
SWD-Schlagwörter: Einfluss , Chirurgie , Geruchssinn , Geschmackssinn , Arbeit , Studie
DDC-Sachgruppe: Medizin, Gesundheit

Kurzfassung auf Deutsch:

Hintergrund: Bariatrische Chirurgie gilt derzeit als beste verfügbare Therapieoption in der Behandlung der morbiden Adipositas. Die in Deutschland am häufigsten angewendeten Verfahren, der Roux-en-Y gastric bypass, die Sleeve Gastrektomie und das Magenband, führen dabei zu einer Vielzahl von physikalischen und metabolischen Veränderungen. Diese tragen entscheidend zum Gewichtsverlust bei, die genauen Mechanismen sind bisher jedoch noch unzureichend erforscht. Neue Erkenntnisse könnten dazu beitragen, die positive Beeinflussung des Stoffwechsels und Körpergewichts nicht-invasiv nachzuahmen und den Therapieerfolg vorherzusagen und durch personalisierte Behandlungskonzepte zu optimieren. Fragestellung und Ziel: Patienten berichten postoperativ häufig von Geschmacks- und Geruchsveränderungen, die ihre Präferenz v.a. für süße und fettige Lebensmittel verringern. Ziel dieser Arbeit ist es, den aktuellen Forschungsstand über Veränderungen des Geschmacks- und Geruchssinns nach bariatrischen Operationen darzustellen und diese in Bezug zu Hypothesen zur Adipositasentstehung und -behandlung zu setzen. Methodik: Mit Hilfe der Datebank Pubmed wurde eine Literaturrecherche durchgeführt. Insgesamt wurden 17 Studien entsprechend der Einschlusskriterien ausgewählt und in einer tabellarischen Übersicht zusammenfassend dargestellt. Ergebnisse: Viele Studien deuten darauf hin, dass es postoperativ zu Geschmacks- und Geruchsveränderungen und einer Verschiebung von Lebensmittelpräferenzen kommt. Eine Vielzahl von verwendeten psychophysischen und selbstbeurteilenden Methoden der Untersuchungen verdeutlicht die Komplexität der gustatorischen und olfaktorischen Sinneswahrnehmung. Ein Zusammenspiel aus sensorischen Veränderungen, peripheren und zentralen hormonalen Mechanismen bezüglich Hunger, Sättigung und Appetit sowie Veränderungen in der Aktivierung des Belohnungszentrums scheinen gemeinsam eine Rolle zu spielen. Ebenso können Lernmechanismen beteiligt sein. Eindeutige Kausalzusammenhänge lassen sich aus der aktuellen Studienlage nicht ableiten. Schlussfolgerung: Aufgrund der hohen Komplexität der Geschmacks- und Geruchswahrnehmung und einiger Defizite in den Studiendesigns werden weitere, groß angelegte Studien, die mehrere der genannten Outcomevariablen und Methoden verbinden, benötigt. Wichtig ist hierbei auch, die zugrundeliegenden Veränderungen durch Adipositas weiter zu erforschen und deren Normalisierung durch die Adipositaschirurgie multimodal zu untersuchen, um Erkenntnisse über die chemosensorischen Sinne für individuelle Therapiekonzepte nutzbar zu machen.

Kurzfassung auf Englisch:

Background: Bariatric surgery is currently the most effective treatment for morbid obesity. The most common procedures in Germany are Roux-en-Y gastric bypass, sleeve gastrectomy and adjustable gastric banding, that lead to a wide range of physical and metabolic changes. These are important for weight loss, but the underlying mechanisms remain unclear. Awareness of these processes involved might be important to immitate the positive consequences for metabolism and body weight without surgery, to predict long term outcome and personalize treatment options. Objective: Patients often report a change in taste and smell postoperatively and a decrease in preference especially for sweet and fatty foods. Aim of this review is to summarize the current state of research on changes of taste and smell after bariatric surgery and to combine them with hypothesis about the causes and treatment of obesity. Methods: Literature research was done by using pubmed database. 17 clinical studies were selected fitting different inclusion criteria and summarized in a schedular overview. Results: Most of the studies indicate a change in taste and smell postoperatively and a shift of food preferences. Numerous psychophysical and self-evaluating methods used point out the complexity of gustatory and olfactory sensory perception. An interaction of sensory changes, peripheral and central hormonal mechanisms of hunger, satiety and appetite as well as changes in reward activity seem to play a role combined. Learning mechanisms could be taken into account, too. Clear relations of cause and effect can not be derived from current knowledge. Conclusion: Because of the complexity of taste and smell perception and some deficiencies in study design, there is a need for further research with a higher number of participants and a combination of several outcome variables and methods. It is also important to investigate the underlying mechanisms of obesity and their return to normal state through bariatric surgery by multimodal methods to use this knowledge for personalized medicine.

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