Vorgehen, Schwierigkeiten und Verbesserungsbedarfe bei der Hepatitis-B- und Hepatitis-C-Meldung nach dem Infektionsschutzgesetz aus Sicht der Gesundheitsämter - Qualitative Experteninterviews mit ausgewählten Gesundheitsämtern

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Dokumentart: Bachelor Thesis
Institut: Department Gesundheitswissenschaften
Sprache: Deutsch
Erstellungsjahr: 2018
Publikationsdatum:
SWD-Schlagwörter: Schwierigkeitsgrad , Verbesserung , Hepatitis , Hepatitis B , Virushepatitis , Hepatitis C , Infektion , Gesundheitsamt , Gesundheitsverwaltung
DDC-Sachgruppe: Medizin, Gesundheit

Kurzfassung auf Deutsch:

Hintergrund: Die Virushepatitis ist eine der führenden Todesursachen weltweit. Allerdings sind die Hepatitis Viren B (HBV) und C (HCV) zusammen für 96% aller durch den Hepatitis-Virus bedingten Todesfälle verantwortlich. Die Hepatitis-Infektionen werden nach dem Infektionsschutzgesetz (IfSG) in Deutschland unter systematische epidemiologische Überwachung gestellt. Die kontinuerliche Erfassung der Hepatitis-Fälle dient der Planung, Durchführung und Evaluation von gezielten Maßnahmen zur Kontrolle und Vorbeugung der weiteren Ausbreitung der Virusinfektion. Eine Schlüsselrolle im Meldeprozess haben die Gesundheitsämter, die u.a. für die Ermittlung und Bearbeitung der Fallmeldungen zuständig sind. In den letzten Jahren lässt sich eine Unvollständigkeit der Angaben zu HBV- und HCV-Fälle erkennen, vor allem der Angaben zum klinischen Bild, zum wahrscheinlichsten Übertragungsweg und zu zusätzlichen Laborparametern. In Hinblick darauf wurde eine Befragung zur Erfoschung der allgemeinen Vorgehensweise bei der Ermittlung und Bearbeitung von Hepatitis-Fällen sowie der dabei auftretenden Schwierigkeiten und bestehenden Verbesserungsbedarfe aus Sicht der Mitarbeitenden in den Gesundheitsämtern im Robert Koch-Institut (RKI) durchgeführt. Methode: Die Erhebung wurde in Form von leitfadengestützten Telefoninterviews mit sechs ExpertInnen aus ausgewählten Gesundheitsämtern der Öffentlichen-Gesundheitsdienst-Feedbackgruppe (ÖGD) durchgeführt. Als ExpertInnen im zu erforschenden Bereich wurden diejenigen Beschäftigten im Gesundheitsamt anerkannt, die für die Ermittung und Bearbeitung der Hepatitis-Meldungen zuständig sind. Die durchgeführten Telefoninterviews wurden aufgezeichnet, transkribiert und anhand der Techniken der qualitativen Inhaltsanalyse ausgewertet. Die Ergebnisse wurden auf dem dritten Treffen der ÖGD-Feedbeckgruppe mit Vertretenden von Gesundheitsämtern, darunter auch Studienteilnehmenden, diskutiert. Ergebnisse: Die Ermittlung erforderlicher Fallangaben erfolgt in der Regel durch die Kontaktaufnahme mit dem Labor, dem/der einsendenden Arzt/Ärztin und/oder dem/der Patienten/in. Dabei sind einige Unterschiede zwischen den Gesundheitsämtern zu erkennen. Als Kontaktperson hinsichtlich fehlender Falldaten wird meistens der/die einsendende Arzt/Ärztin bevorzugt, gefolgt von dem/der Betroffenen. Angaben zur Klinik werden häufig von den ÄrztInnen und Angaben zum wahrscheinlichsten Übertragungsweg von den PatientInnen ermittelt. Zu den meistgenannten Schwierigkeiten im Meldeprozess gehören die unvollständigen Labormeldungen, die oft fehlenden oder unzureichend ausgefüllten Arztmeldebögen sowie die manchmal schwer zu erreichenden ÄrztInnen und ihre geringe Kooperation. Außerdem ist die Feststellung des wahrscheinlichsten Übertragungswegs oft schwierig oder unmöglich. Weitere Hindernisse treten bei der Kontaktaufnahme mit den Betroffenen aufgrund ihrer geringen Erreichbarkeit, der Unsicherheit über die Wahrheit der gegebenen Auskünfte sowie den manchmal bestehenden Sprachbarrieren auf. Verbesserungsbedarfe wurden vor allem bei der Vollständigkeit der Arzt- und Labormeldungen sowie bei der Kooperation seitens der ÄrztInnen erkannt. Als Verbesserung der Meldecompliance und Auskunftsbereitschaft der (Betriebs-)ÄrztInnen wurde ihre Aufklärung über die gesetztlichen Meldevorgaben vorgeschlagen. Fazit: Eine Verbesserung großer Teile der im Meldeprozess auftauchenden Probleme ist durch die letzten Änderungen des IfSG im Jahr 2017 zu erwarten. Diese sollten u.a. eine positive Auswirkung auf die Kooperationsbereitschaft der Meldenden, die Kontaktaufnahme mit den Betroffenen und die Vollständigkeit der Falldaten haben. Des Weiteren ist eine umfassende Modernisierung und Optimierung des Meldeprozesses durch die Einführung des Deutschen Elektronischen Meldesystem für den Infektionsschutz (DEMIS) bis Ende des Jahres 2020 vorgesehen, welche zur eine zeitnahen, validen und vollständigeren Erfassung der Falldaten beitragen werde.

Kurzfassung auf Englisch:

Introduction: Viral Hepatitis is one of the leading causes of mortality worldwide. However, Hepatitis B virus (HBV) and Hepatitis C virus (HCV) account together for 96% of all deaths from the Hepatitis Virus. Hepatitis infections are in accordance with the German Infection Protection Act (IfSG) under routine surveillance. The systematic collection of epidemiological data for hepatitis provides the basis for the planing, implementation and evaluation of target measures to control and prevent the further spread of the viral infection. The health departments play a key role in the reporting process as they are i.a. responsible for the collecting and processing of surveillance data. An incompleteness of the reported data of HBV and HCV cases, particularly in regard to the clinical symptoms, the most likely transmission route and the additional laboratory parameters, was identified in the last years. In regards to this, a survey was carried out by the Robert Koch-Institute (RKI) in order to investigate the common data collection approach as well as the ensuing difficulties and possible improvements, from the perspective of the employees in the health departments. Methodology: The study was conducted in form of guideline-based telephone interviews with six experts from selected health departments of the Public Health Service Feedback Group (ÖGD-Feedbackgroup). The employees at the health departments, who are responsible for the processing of hepatitis cases, were acknowledged as experts in the researched field. The interviews were recorded and transcribed. The collected data was evaluated with the methodology of qualitative content analysis. In addition, the results were discussed at the third meeting of the ÖGD-Feedbackgroup with representatives of health departments, including study participants. Outcome: The requiered information on hepatitis cases is usually collected in contact with the laboratory, the physicians and/or the patient. Some differences were found in the approach of collecting data amongst the health departments. The most common pattern is firstly getting in touch with the physician regarding needed missing informations on cases, then followed by contacting the patient. Clinical data is usually collected from the physicians and information on the most likely transmission route - from the patients. Among the most frequantly mentioned difficulties in the collection and processing of hepatitis data are incomplete laboratory reports, often missing or incompletely filled out medical report forms as well as the lack of collaboration on the side of the physicians, who are also sometimes hard to reach by phone. In addition, identifying the most likely route of transmission is often difficult or not possible at all. Moreover, hurdles also occur when reaching out to patients. Further problems include the uncertaint validity of the information given by patients and the possible language barrieres. Necessary improvements were acknowledged, especially in the completeness of laboratory and medical reports. Better cooperation by physicians is also necessary. A specific suggestion for the improvement of reporting compliance and willingness for cooperation by physicians was that they should be better informed about the statutory reporting requirements. Conclusions: Improvements to many of the occuring problems in the reporting process are to be expected as a result of the latest changes to the IfSG in 2017. These should have a positive effect on the willingness of the involved with the reporting process to cooperate, on reaching out to patients and on the completeness of disease data. A comprehensive modernization and optimization of the surveillance system is planned through the implementation of the German electronic reporting and information system (DEMIS) by the end of 2020, which will further contribute to the timely collection of valid and more complete surveillance data.

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