Die Planung des Wiederaufbaus der Städte Hamhung und Hungnam in Nordkorea durch die DAG-Städtebaubrigade der DDR von 1955 - 1962 - eine städtebaugeschichtliche Abhandlung aus der Sicht eines Zeitzeugen

Planning of the reconstruction of the cities Hamhung and Hungnam in North Korea by the DAG-Städtebaubrigade of the GDR from 1955 -1962

URN urn:nbn:de:gbv:1373-opus-3461
URL
Dokumentart: Dissertation
Institut: Stadtplanung
Hauptberichter: Kosok, Lisa (Prof.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 31.01.2017
Erstellungsjahr: 2017
Publikationsdatum:
SWD-Schlagwörter: DAG Hamhung
Freie Schlagwörter (Englisch): Rebuilding Hamhung
DDC-Sachgruppe: Architektur

Kurzfassung auf Deutsch:

Die vorgelegte Dissertation widmet sich einem bislang weitgehend unbekannten Kapitel der deutschen wie der koreanischen Stadtplanungsgeschichte nach 1945. Am 17. Februar 1955 fasste die Regierung der DDR einen Beschluss zur Hilfeleistung beim Aufbau der Stadt Hamhung in der KDVK (Nordkorea) in der Zeit von 1955 bis 1964. Wegen der fast totalen Zerstörung der Stadt durch amerikanische Flächenbombardements im Koreakrieg 1950/1953 hatte die nordkoreanische Regierung dem Wohnungsbau für die Stadt Hamhung den Vorrang gegeben. Um diese Vorgabe zu erreichen, musste erst ein Bebauungsplan erstellt werden, damit eine geordnete Bebauung erfolgen konnte. So wurde ein Bebauungsplan für 150.000 Einwohner in Rekordzeit von Ende April bis Juli 1955 erstellt, indem die deutschen Stadtplaner mit den Koreanern eng zusammenarbeiteten. Dabei wurden strikt die „16 Grundsätze des Städtebaus“ der DDR durch die Städtebaubrigade für die Stadtplanung Hamhung angewandt, was am 27. Juli 1950 vom Ministerrat der DDR als Grundlage der Aufbauplanung für die zerstörten Städte in der DDR verabschiedet wurde. Seit den 1920er Jahren waren die wichtigen Grundmuster für die späteren Planungen, die insbesondere nach dem Zweiten Weltkrieg eine große Verbreitung fanden, entstanden: Der „Superblock“ (im Westen, vornehmlich im englischsprachigen Raum) und der „Mikrorayon“ (vornehmlich im Ostblock). Der Mikrorayon bildete die Ausgangsposition für die dann als „sozialistischer Wohnkomplex“ bezeichneten Basismodule des Städtebaus, die Wohnbereiche, die um die wichtigsten sozialen Infrastrukturen gruppieren sollten (Goldzamt 1974, S. 229 - 231). In Südkorea wurde erst in den 1970er Jahren der Versuch unternommen, Stadtplanung mit der Nachbarschaftsidee in Jamsil in Seoul zu vereinen und architektonische Nutzungsmöglichkeiten in Jamsil als Olympisches Dorf für die Vorbereitungsmaßnahme der Olympiade in Seoul 1988 zu verwirklichen. Die Aufbereitung der verfügbaren Quellen und deren erste Bewertung stehen also im Zentrum der vorliegenden Arbeit. Damit kann noch kein abschließendes Urteil erwartet werden, harren doch noch die Archive in Nordkorea ihrer Öffnung. Dennoch möchte ich einen Beitrag zur wissenschaftlichen Erschließung leisten und dabei die Aufmerksamkeit auf die Darstellung der Arbeitsweise in der DAG-Städtebaubrigade, den Hauptergebnissen der Planungsarbeit und deren Deutung legen. Für eine umfassende Städtebaugeschichte der Wiederaufbauplanungen in Nordkorea, deren Verflechtungen mit den damaligen Ländern des Ostblocks und den einzelnen inhaltlichen Bezügen zu westlichen Planungen kann hier nur eine erste Annäherung vorgelegt werden. Einer weitergreifenden und vergleichenden Untersuchung soll damit der Weg geebnet werden. Die Aufarbeitung des städtebaulichen Erbes Nordkoreas nach Ende des Koreakrieges steht erst am Anfang. Insofern verstehe ich diese Arbeit als methodische wie dokumentarische Basis für die nächsten Schritte einer weiterführenden Aufarbeitung dieses internationalen Erbes der Stadtplanung – aus der Sicht eines Zeitzeugen.

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