Der Umgang mit Heterogenität in der fragmentierten Region : über den Wandel einer fordistisch modellierten Stadtlandschaft und mögliche Perspektiven für den Umgang mit dem Raum in der metropolitanen Peripherie nördlich von Hamburg

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URN urn:nbn:de:gbv:1373-opus-522
URL
Dokumentart: Dissertation
Institut: Stadtplanung
Hauptberichter: Prof. Dr. Ingrid Breckner
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 05.01.2011
Erstellungsjahr: 2011
Publikationsdatum:
SWD-Schlagwörter: Regionalentwicklung, Peripherer Raum
Freie Schlagwörter (Deutsch): Metropolregion Hamburg, Regionalentwicklung, Peripherer Raum, Suburbanisierung, Räumliche Disparität
Freie Schlagwörter (Englisch): .
DDC-Sachgruppe: Landschaftsgestaltung, Raumplanung
BK - Klassifikation: 74.12

Kurzfassung auf Deutsch:

Diese dichte Beschreibung behandelt auf der Grundlage des Regulationsansatzes den Wandel einer fordistisch, also arbeitsteilig und funktionstrennend modellierten Siedlungsstruktur am Beispiel des nördlichen Teils der Stadtregion Hamburg. Die Multi-Methoden-Studie ist als doppelte Mehr-Ebenen-Analyse angelegt und betrachtet jeweils auf kleinräumiger und regionaler Ebene im ersten quantiativen Teil in einer datengestützten Analyse die Strukturen und Entwicklungen der Suburbanisierung. Auf Grundlage der Ergebnisse wird nachfolgend unter regionalen und teilräumlichen Aspekten am Beispiel eines ausgewählten, besonders heterogen strukturierten Landkreises anhand einer Exploration der Umgang mit räumlicher Unterschiedlichkeit in der funktional, d.h. in Bezug auf Wohnen, Arbeiten und Freiraum, sowie verwaltungsräumlich in kleinen Mosaiksteinchen gefügten Region herausgearbeitet. Das Grundgerüst des Raumes bildet seit den 1950er Jahren ein in der Siedlungsstruktur überliefertes und auf dieser Grundlage weitergeführtes funktionsteiliges Zentrale-Orte-System aus strikt gegeneinander abgegrenzten Versorgungsnahbereichen bestehend aus verinselten, kleinen, gleichwertig ausgestatteten Zentren und ihren zugeordneten Einzugsbereichen. Die funktionale Raumstruktur wird jedoch inzwischen vollständig durch die im sog. Hamburger Achsenmodell installierten Siedlungsachsen und Landschaftskeile sowie auf überregionaler Ebene durch räumliche Beziehungen innerhalb des Städtesystems Hamburg-Lübeck-Neumünster dominiert, während das Handeln vor Ort durch enge verwaltungsräumliche Grenzen bestimmt wird. Die Anordnung des Systems erfolgte geographisch auf der Erdoberfläche und berücksichtigt aufgrund ihrer altertümlichen Regulation weder raumzeitliche Veränderungen noch funktionale oder relationale Aspekte, so dass inzwischen ein erheblicher und zumindest vor Ort erkannter Modernisierungsstau entstanden ist. Der Raum konnte zuletzt während der 1990er Jahre einen hohen Gewinn an Bevölkerungssuburbanisierung aus der Kernstadt erzielen und hat sich seit dem Krieg von einem ursprünglich ländlichen Raum in eine durch das Wohnen dominierte regionale Monostruktur mit wenigen kleinen Zentren transformiert, welche von der Kernstadt abhängt und sich vollständig dorthin orientiert. Die Nahbereiche der Region lassen sich in die beiden Strukturtypen Verstädterter Raum und Ländlicher Raum mit je drei Verlaufstypen unterscheiden, welche in einem kleinräumigen Kristallisationsprozess einem Entwicklungspfad der schrittweisen Suburbanisierung mit zuziehender Bevölkerung und späterer Postsuburbanisierung mit einer gewissen Anreicherung von Beschäftigungsmöglichkeiten vom Stadtrand nach außen folgen. Dabei verhindern die Landschaftskeile des Achsensystems eine vollständige Transformation in verstädterte Stadtringe. Spätestens seit den 1990er Jahren hat der Hamburger Stadtrand einschließlich der Achsen nach Neumünster und Lübeck sich zur ökonomisch dominanten Struktur entwickelt, während fast der gesamte Ländliche Raum im Zuge der Metropolisierung den Anschluss verloren hat und funktional schrumpft. Er ist im oberzentralen Städtenetz buchstäblich „durch die Maschen gefallen“. Auf den räumlichen Analyseniveaus ist das Agieren der Gebietskörperschaften und der raumprägenden Subsysteme als Anwendungsbeispiel für das Phänomen der Sozialen Schließung nach Max WEBER anzusehen, welches einen Umgang mit dem Raum hervorgebracht hat, der seinen Zenit in der fordistischen Hochphase der späten 1960er und frühen 1970er Jahre überschritten hat und seitdem mit geringer Innovationsfähigkeit versucht, den seinerzeitigen Zustand zu konservieren. Es wird im Wesentlichen versucht, positive externe Effekte der Suburbanisierung zu erzeugen und zu integrieren, indem andere Akteure vom Umgang mit der aktivierbaren Fläche, vom kulturellen Umgang mit dem gegenwärtigen Raum oder von Ideen des zukünftigen Umgangs mit dem Raum ausgeschlossen werden. Das ruft bei diesen gegenläufig gerichtete Handlungen hervor und wird im Wesentlichen durch Stadt-Umland-Konflikte auf kleinräumiger Ebene ohne gemeinsames räumliches Verständnis über zu Grunde liegende regionale Zusammenhänge symbolisiert. Grundlegendes Problem des Umgangs mit dem Raum ist das Konzept des „Behälterraumes“, so dass Akteure sich nur auf ihren jeweiligen Verwaltungsraum, ein Behälter oder ein Gefäß, in das von außen ein Suburbanisierungsgewinn hinein fließen möge, beschränken können oder müssen und dadurch die Voraussetzungen für eine paradigmatische Steuerung der Raumentwicklung unter regionalen Gewinnerwartungen nicht gegeben sind. Bedeutender ist jedoch der normative Aspekt, dass von den Akteuren nach wie vor die Suburbanisierung als Konzept der Zukunft einer prosperierenden Region angesehen wird, obwohl es sich dabei um die Abbildung einer überkommenen gesellschaftlichen Formation der Nachkriegszeit handelt. Im persistierenden Fordismus befindet sich diese Formation nun als massiv alternde metropolitane Peripherie am Beginn einer krisenhaften Anpassung. Hinzu kommt im modellbezogenen Kontext das Festhalten an der starren punktaxialen Konzeption aus funktional möglichst unverbundenen Inselräumen, die der Raum-Zeit inzwischen nicht mehr entsprechen. Dadurch wird in einer durch Wohnen und Einfamilienhäuser monostrukturierten Region der langen Pendelwege, in der sich bewahrende und modernisierende Kräfte gegenseitig blockieren, eine zukunftsfähige Selbstorganisation limitiert.

Kurzfassung auf Englisch:

This thick desrciption deals with the spatial development of an urban landscape north of German metropolis Hamburg that has been strictly modeled as a fordistic central-place system by the spatial planning authority of the German Bundesland Schleswig-Holstein. The general structure of the reviewed region has changed from a rural area in the post-war period into suburbia in the present. Under the process of suburbanisation and urban sprawl within the last five decades the regional fringes are strongly related to the core city either by car or by a radial public transportation system. A data-based regional analysis identified two types each with three subtypes of subspaces according to the longterm process of suburbanisiation, that show intra-regional disparities in a heterogeneous region characterized by both shrinkage and postsuburban enhancement. In a second step a heterogeneous subregion was explored in order to find out, how protagonists deal with these disparities and how they try to shape their subspaces functionally and what kind of attitude they have in order to enforce the development of suburbia or to conserve the rural structure. As a result there are two tossup forces that try either to change or to conserve the settlement pattern: Spatial planning and cities are trying to concentrate growth in central places while their surrounding and the rural communities still try to enforce urban sprawl by building up new residential areas. As a result they create intense local conflicts in distributing the requested number of new inhabitants which will not lead to a better framing of a more sustainable spatial development. Despite of evidently different requirements due to spatial trends (beginning superannuation of the population, economic shrinking of peripheral subspaces and increasing commuting within an inter-regional city system) the subspaces still try to benefit from the decreasing suburbanisation process related to the core city Hamburg, although most of those subspaces would need a different strategy to handle their change of structure properly. At the local level there can be seen a necessity to re-organize the relationship between cities and suburban communities and there can also be seen a necessity to create more and better interweavings between together central-places and their suburbias on the regional level by improving both transportation systems and cooperative subspaces.

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