Elektromobilität als Baustein nachhaltiger Stadtentwicklung in chinesischen Megastädten. Strukturen, Prozesse und Instrumente zur Förderung von Elektromobilität in der Modellregion Shenzhen.

Electromobility as building block for sustainable urban development in Chinese megacities. Frameworks, processes and instruments for promoting electromobility in the model region of Shenzhen.

URN urn:nbn:de:gbv:1373-opus-3819
URL
Dokumentart: Dissertation
Institut: REAP
Hauptberichter: Dickhaut, Wolfgang (Prof. Dr.-Ing.)
ISBN: 978-3-941722-58-3
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 05.09.2017
Erstellungsjahr: 2017
Publikationsdatum:
SWD-Schlagwörter: Elektromobilität , Nachhaltigkeit, Stadtentwicklung , China , Shenzhen , Governance , Instrument , Megastadt , Elektrofahrzeug , Verkehrsplanung
Freie Schlagwörter (Deutsch): Ladeinfrastruktur , Nachhaltige Stadtentwicklung , Forschungsmethodik in China , Mobilität
Freie Schlagwörter (Englisch): New Energy Vehicles, Charging infrastructure, sustainable urban development, research methodology in China, green transport
DDC-Sachgruppe: Landschaftsgestaltung, Raumplanung

Kurzfassung auf Deutsch:

Die VR China hat aufgrund ihres rapiden Wirtschaftswachstums große Umweltprobleme und inzwischen den weltweit größten CO₂-Ausstoß zu verantworten. Die Emissionen im Verkehrssektor tragen enorm dazu bei. Fahrzeuge, Staus, Lärm und Luftverschmutzung konzentrieren sich insbesondere in chinesischen Megastädten. Die chinesische Regierung hat als Antwort auf diese Problematik damit begonnen, durch Umstrukturierungs- und Aufwertungsmaßnahmen Wirtschaftszweige mit geringem CO₂-Ausstoß zu etablieren. Dieser New Energy-Sektor umfasst Industrien im Bereich der Elektromobilität, der erneuerbaren Energien aber auch die Kernkraft. Außerdem hat die Zentralregierung Stadtentwicklungsprogramme etabliert, mit denen Energie eingespart, der Ressourcenverbrauch gesenkt, Emissionen reduziert und nachhaltige Lebensstile gefördert werden sollen. Die südchinesische Megastadt Shenzhen, die unmittelbar an Hongkong angrenzt, genießt als Sonderwirtschaftszone weitreichende Freiheiten und gilt in den o. a. Bereichen als nationales Vorbild. Sie partizipiert seit 2011 an einem Low Carbon City-Programm und verfolgt bis 2020 das Ziel, ihre CO₂-Emissionen gegenüber 2005 um 45 Prozent zu senken. Elektromobilität hat das Potenzial, zur Minderung der Emissionen beizutragen sowie die Mobilitätsstrukturen und das Mobilitätsverhalten nachhaltig zu verändern. Deshalb partizipiert Shenzhen seit 2009 auch als Pilotstadt der Zentralregierung an den Modellregionen zur Förderung der Elektromobilität. Nach erfolgreichen Pilotprojekten für E-Busse und E-Taxen sowie einem flächendeckenden Aufbau der Ladeinfrastruktur verfügt Shenzhen inzwischen über 51.929 Elektrofahrzeuge, 166 Ladestationen, 4.197 Schnell- und 19.232 Normalladesäulen und gilt als nationales Vorbild auch in diesen Bereichen (Stand Juni 2016). Die Anzahl der Elektrofahrzeuge entspricht ca. 1,65 Prozent aller Fahrzeuge in Shenzhen. Mit Chinas größtem Batterie- und Elektrofahrzeughersteller BYD hat ein weiterer Akteur in der Megastadt ein großes Interesse an einer systematischen industriellen Weiterentwicklung dieser Zukunftsbranche. Die Umweltaspekte und Ressourcenunabhängigkeit gelten als positive Nebenaspekte auf dem Weg zu einer Low Carbon City. Ziel der vorliegenden Dissertation ist es, die Strukturen, Prozesse und Instrumente zur Förderung der Elektromobilität und deren Zusammenhang mit nachhaltigen Strategien der Stadtentwicklung am Fallbeispiel Shenzhen zu untersuchen. Elektromobilität sollte hierbei nicht nur als ein Wechsel der Antriebssysteme vom konventionellen Motor hin zum elektrisch betriebenen Motor betrachtet werden. Elektromobilität kann vielmehr als ein ganzheitliches System verstanden werden, das die Nutzung erneuerbarer Energiequellen, die Verkehrsvermeidung durch Transit Oriented Development, Verkehrsreduzierung durch innovative und multimodale Mobilitätsansätze sowie den Ausbau des ÖPNVs berücksichtigen kann. Fünf geplante und teilweise umgesetzte Projekte, die sich mit Ladeinfrastruktur in Wohn- und Geschäftsgebieten, mit der Nutzung erneuerbarer Energiequellen, mit stadtplanerischen Lösungen zur Verkehrsreduzierung im MIV, mit e-Carsharing und anderen innovativen Mobilitätslösungen und mit der Anwendung von E-Bussen und E-Taxen befassen, werden dazu untersucht. Die beiden Stadtentwicklungsgebiete in Pingdi und in Qianhai sind besonders hervorzuheben, da sie trotz unterschiedlicher Voraussetzungen ein großes Potenzial für die künftige Anwendung der Elektromobilität in Shenzhen besitzen. In einer Top-down-gesteuerten Governance-Struktur setzt die Stadtregierung Shenzhens die Rahmenbedingungen und dereguliert die Märkte zu Gunsten staats- und privatwirtschaftlicher Akteure im Bereich der Elektromobilität. Zuerst wird der ÖPNV bei Bussen und Taxen auf Elektromobilität umgestellt. Im zweiten Schritt geht es um den Antriebswechsel im Wirtschaftsverkehr insbesondere bei der Logistik. Erst im letzten und schwierigsten Schritt versucht die Stadtregierung, bis 2020 mit Hilfe von Anreizen und Restriktionen einen Anteil von drei Prozent elektrischer Fahrzeuge an den Gesamtzulassungszahlen zu erreichen. Bei allem wird deutlich, dass Shenzhen die Nutzung erneuerbarer Energiequellen für den Antrieb von Elektrofahrzeugen zugunsten der Kernenergie vernachlässigt. Jedoch tragen stadtplanerische Lösungen in Low Carbon City-Projekten zur Vermeidung von Verkehr im MIV bei. Die Reduzierung des MIV durch e-Carsharing und andere innovative Mobilitätslösungen steht erst am Anfang. Das Verkehrssystem Shenzhens kann zu diesem Zeitpunkt noch nicht als nachhaltig bezeichnet werden, da Industrieziele - gepaart mit umfangreichen staatlichen Regulierungen - die Strukturen, Prozesse und Instrumente dominieren. Elektromobilität führt aber durch das systematische Konzept der Stadtregierung zu einer umweltgerechteren Stadtentwicklung.

Kurzfassung auf Englisch:

Due to its rapid economic growth, the P. R. China is facing significant environmental challenges and is now responsible for the world’s largest share of CO₂ emissions. Emissions in the transport sector contribute tremendously. Vehicles, traffic congestion, noise and air pollution are concentrated in particular in Chinese megacities. In response to these problems, the Chinese government has begun to establish low carbon sectors through restructuring and improvement measures. The new energy sector includes industries in the areas of electromobility and renewables, but also nuclear power. Also, the Central Government has established urban development programs, which promote sustainable lifestyles and energy conservation, as well as reducing resource consumption and emissions. The South Chinese megacity of Shenzhen, which lies directly adjacent to Hongkong, enjoys wide-ranging freedoms as a special economic zone and is considered a national model in the above-mentioned areas. Since 2011, Shenzhen has participated in a low carbon city program. The city aims to reduce CO₂ emissions by 45 percent by 2020 compared to 2005 levels. Electromobility has the potential to contribute to the reduction of emissions, as well as to change mobility structures and mobility behavior. To that end, in 2009 Shenzhen was selected by the Central Government to be the pilot city in a model region for the promotion of electric mobility. After successful pilot projects for e-buses and e-taxis, as well as wide-scale expansion of charging infrastructure, Shenzhen now has more than 51,929 electric vehicles, 166 charging stations, 4,197 fast and 19,232 columns and is considered a national model in these areas (June 2016). Electric vehicles now make up about 1.65 percent of all vehicles in Shenzhen. China's largest battery and electric vehicle manufacturer, BYD, is another player in the megacity, and it has a great interest in the systematic industrial development of this future sector. Improvement of environmental conditions and resource independence are considered positive ancillary aspects on the way to a low carbon city. The aim of the present work is to investigate the structures, processes, and instruments that promote electromobility and their connection to sustainable strategies of urban development in the example of Shenzhen. Electromobility, in this context, should be considered not only as a change of the drive systems from the conventional engine to the electric engine. Rather, electromobility can be considered as a holistic system, which can take into account the use of renewable energy sources, the avoidance of traffic by means of transit-oriented development, the reduction of traffic through innovative and multimodal mobility approaches, and the expansion of local public transport. Five planned and implemented projects, including charging infrastructure in residential and commercial areas, the use of renewable sources of energy, urban planning solutions to reduce traffic from private vehicles, e-car sharing and other innovative mobility solutions, and the use of e-busses and e-taxis are investigated. The two urban development areas in the sub-district Pingdi and in Qianhai are particularly noteworthy, because they have great potential for the future application of electromobility in Shenzhen, despite different conditions. The Shenzhen City Government, in a top-down governance structure, sets the framework and deregulates the markets in favor of state and private actors in electromobility. First, public transport, in the form of buses and taxis, is converted to electromobility. The second step is to change the drive systems in commercial traffic, especially in the field of logistics. Finally, in the last, most difficult step, the city government relies largely on incentives and restrictions to reach a three percent share of electric vehicles by 2020. In all, it is clear that Shenzhen neglects the potential to use renewable energy sources for electric vehicles in favor of nuclear power. In addition, urban planning solutions in low carbon city projects contribute to the avoidance of traffic from private vehicles. The reduction in the use of private vehicles in favor of e-car sharing and other innovative mobility solutions is just beginning. The transportation system at Shenzhens cannot yet be considered sustainable, as industrial targets, coupled with extensive state regulation, dominate the structures, processes, and instruments. However, through the systematic concept of the city government, electromobility leads to more environmentally sound urban development.

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