Zwischen Repräsentationskritik, Selbstrepräsentation und nicht-repräsentativen Politiken: die Aktionsformen der Aganaktismenoi auf dem Syntagma-Platz, Athen 2011

Between critique of representation, self-representation and non-representative politics: the forms of action of the Aganaktismenoi on the Syntagma-Square, Athens 2011

URN urn:nbn:de:gbv:1373-opus-4177
URL
Dokumentart: Dissertation
Institut: Kultur der Metropole
Hauptberichter: Burri, Regula Valérie
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 23.01.2018
Erstellungsjahr: 2018
Publikationsdatum:
SWD-Schlagwörter: Kollektives Verhalten , Protestbewegung , Soziale Bewegung , Repräsentation , Affekt , Demokratie , Platz , Dokumentation , Syntagma-Platz <Athen>
Freie Schlagwörter (Deutsch): Repräsentation, Demokratietheorie, soziale Bewegungen, Affekttheorie, Dokumentartheorie, die Vielen, künstlerische Forschung, Griechenlandkrise
Freie Schlagwörter (Englisch): democracy theory, the many, artistic research, greek crisis, documentary theorie, representation, affecttheory, social movements
DDC-Sachgruppe: Sozialwissenschaften, Soziologie, Anthropologie

Kurzfassung auf Deutsch:

In der vorliegenden Promotion werden die Aktionsformen der ‚Αγανακτισμένοι‘ [Aganaktismenoi; gr. für Empörte/Indignados] auf dem besetzten ‚Syntagma-Platz‘ im Frühjahr 2011 hinsichtlich ihres Verhältnisses zur politischen und medialen ‚Repräsentation‘ untersucht. Vergleichbar mit der Besetzung zentraler Plätze in Spanien durch die ‚Indignados‘, der Besetzung des Tahrir-Platz in Kairo oder den Occupy-Wall-Street-Protesten, besetzten die Aganaktismenoi für zwei Monate den zentralen Athener Syntagma-Platz. Sie installierten eine Zeltstadt, hielten täglich Versammlungen ab, protestierten vor dem griechischen Parlamentsgebäude und kommunizierten über Kanäle der sozialen Medien. Zentrale Losungen waren „Reale Demokratie, jetzt!“ oder „Ihr repräsentiert uns nicht!“. In der internationalen Literatur sind über die verschiedenen Occupy-Bewegungen (ob Spanien, Griechenland, New York, Tahrir, u.a.) Debatten entstanden, die den Zusammenhang zwischen Repräsentation und den Aktionsformen der Platzbesetzer*innen befragen. Dabei wird diskutiert, inwiefern sich das Phänomen der Platzbesetzungen in einem ‚Jenseits der Repräsentation‘ verorten lässt. In der Dissertation untersuche ich diese These und verwende sowohl theoretisch-textbasierte als auch künstlerisch-praktische methodische Forschungsansätze. Dabei beschreibe ich die Aktionsformen auf dem Syntagma-Platz auf der Grundlage von Literatur und meiner teilnehmenden Beobachtung und analysiere ihr Verhältnis zur medialen und politischen Repräsentation mit einem zuvor ausgearbeiteten theoretischen Instrumentarium aus einem Bündel von Theorien der Kulturwissenschaften, der politischen Theorie und den Medienwissenschaften zu den Fragen und Prämissen des Konzepts der Repräsentation. Im Zuge dessen entwickle ich ein methodisches Vorgehen, das sowohl innerhalb als auch außerhalb des epistemologischen Paradigmas der Repräsentation operiert. Dazu gehört auch die Anwendung künstlerischer Forschungsmethoden in den zwei Kunstarbeiten Studio-Visit sowie Face-to-Face with the Many – Aktion mit Videoanrufen (s. Dokumentation: Inlay & USB-Stick), die der Datensammlung und -analyse dienen und darüber hinaus zur Generierung und Darstellung der Forschungsthesen und -ergebnisse verwendet werden. Schließlich komme ich zu dem Schluss, dass sich die These eines ‚Jenseits der Repräsentation‘ der Aktionsformen der Aganaktismenoi nicht bestätigen lässt, wohl aber, dass sich diese zwischen Repräsentationskritik, Selbstrepräsentation und ‚nicht-repräsentativen Politiken‘ verorten lassen. Ich argumentiere, dass 1. die Aganaktismenoi in ihren Redebeiträgen und Slogans und durch ihre Praktiken in direktdemokratischen Versammlungen politische Repräsentation im historischen Kontext der griechischen Demokratie- und Schuldenkrise kritisierten; 2. dass sie sich in den Versammlungen und sowie durch ihre medialen Selbstaufnahmepraktiken selbstrepräsentierten; und 3. dass sie Aktionsformen durchführten, die ich als nicht-repräsentative Politiken beschreibe: das affektive Protestieren vor dem Parlament, die reproduktiven Tätigkeiten des ‚commoning‘ und die konnektive Art der Mediennutzung.

Kurzfassung auf Englisch:

In the thesis I examine the forms of action of the 'Αγανακτισμένοι' [Aganaktismenoi; gr. for The Indignant/Indignados] at the occupied 'Syntagma-Square', in spring 2011, in regards to their relation to political and media 'representation'. Comparable with the occupation of central places in Spain by the 'Indignados', the occupation of the Tahrir-Square in Cairo or the Occupy-Wall-Street protests, the Aganaktismenoi occupied the central Syntagma-Square in Athens for two months. Central slogans were "Real Democracy, now!" or "They don´t represent us!". They installed a tent town, held daily meetings, protested in front of the Greek parliament and communicated via channels of social media. Since then, there have been theoretical debates about the various occupy movements (whether in Spain, Greece, New York, Tahrir, etc.), which examine the relation between representation and the forms of action in the occupations. In these debates the literature discusses to which extent the phenomenon of the squares-occupations can be placed in a realm of 'beyond representation'. In my research, I examine this argument and use both theoretical-text-based and artistic-practical methodological research approaches: I describe the forms of action on the occupied Syntagma Square, based on literature and participatory observation, and analyze their relationship to media and political representation with a previously elaborated theoretical set of theories from cultural sciences, political theory, and media sciences, that focuses on the questions and premises of the concept of representation. In order to carry out this analysis, I develop a methodological approach that operates both within and outside the epistemological paradigm of representation. This also includes the application of artistic research methods in the two art works Studio-Visit and Face-to-Face with the Many - Action with video-calls (see documentations in the enclosed inlay and USB-stick), which are used for data collection and analysis, as well as for the development and presentation of my research and its results. Finally, I come to the conclusion that the argument, which claims that the forms of action of the Aganaktismeni operate in a realm of 'beyond representation' cannot be confirmed, but that they can be considered to be interpolated between critique of representation, self-representation and 'non-representative politics'. I argue that 1. the Aganaktismenoi criticized political representation in the historical context of the Greek democracy and debt crisis in their speeches and slogans, and by their practical work in direct-democratic assemblies; 2. that they self-represented themselves through direct-democratic assemblies and through medial self-coverage practices; and 3. that they carried out forms of action, that I describe as non-representative policies: the affective protesting in front of the parliament, the reproductive activities of 'commoning', and the connective mode of media usage.

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