Veränderungen wissenschaftlicher Literalität durch digitale Medien. Neue literale Praktiken im Kontext Hochschule

URN urn:nbn:de:gbv:705-opus-14097
URL
Dokumentart: Dissertation
Institut: Institut für Berufsbildung, Weiterbildung und Telematik
Fakultät: Fakultät Geistes- und Sozialwissenschaften
Hauptberichter: Zimmer, Gerhard M. Prof. Dr.
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 30.04.2008
Erstellungsjahr: 2008
Publikationsdatum:
SWD-Schlagwörter: Schriftlichkeit , Hochschule , E-Learning
Freie Schlagwörter (Deutsch): Lernkultur
DDC-Sachgruppe: Erziehung, Schul- und Bildungswesen

Kurzfassung auf Deutsch:

Literatur, insbesondere das geschriebene Wort, war Jahrhunderte lang das wesentliche – nach Ansicht einiger Autoren im Grunde das einzig verfügbare – Medium für intellektuelle Rezeption und Reflexion. Ausgangspunkt der vorliegenden Arbeit ist die Beobachtung, dass diese zentrale Rolle sich zurzeit erheblich verändert und relativiert: Die Nutzung der „neuen“, digitalen Medien setzt einen kulturellen Umbruch in Gang, dessen Auswirkungen auf den Einzelnen und die Gesellschaft noch kaum abzusehen sind. --- Der Fokus der Arbeit liegt auf dem dadurch ausgelösten Wandel der Literalität. Dieser Begriff umfasst unterschiedliche Dimensionen des Umgangs mit Schrift und Schriftlichkeit: von der Aneignung und dem Gebrauch der „Schlüsselqualifikationen" bzw. Kulturtechniken Lesen und Schreiben über deren Bedeutung für das einzelne Individuum und für die Gesellschaft bis zu der Frage, wer die Definitionsmacht über die jeweils praktizierten und anerkannten literalen Praktiken hat bzw. von wem Veränderungen initiiert werden können. --- Die zurzeit sich vollziehenden Veränderungen werden exemplarisch am Untersuchungsfeld Hochschule aufgezeigt: Seit der Gründung der ersten europäischen Universitäten im 12. Jahrhundert hatte Schriftlichkeit in diesem Kontext immer eine besondere Bedeutung und bewahrte – trotz der Einflüsse gesellschaftlicher Entwicklungen (v.a. der Erfindung der Druckerpresse) – immer auch spezifische Ausprägungen und Widerständigkeiten, in denen das Selbstverständnis von Universitäten als Institutionen der Forschung und Lehre zum Ausdruck kam. --- Im Mittelpunkt der Arbeit steht eine Bestandsaufnahme der tatsächlichen Veränderungen praktizierter Literalität im Kontext Hochschule. Dabei geht es zum einen darum, über häufig geäußerte kulturpessimistische Befürchtungen oder euphorische Prognosen hinaus, den Ist-Zustand zu konkretisieren und zu verifizieren; zum anderen wird danach gefragt, unter welchen Bedingungen neue literale Praktiken im Kontext von Lehre und Forschung akzeptiert und genutzt werden. Anhand von sechs exemplarischen Fallstudien werden Merkmale unterschiedlicher neuer literaler Praktiken in Beziehung zu traditionellen hochschulliteralen Praktiken gesetzt und spezifische neue Merkmale identifiziert. --- Dabei zeigt sich, dass nicht nur die Techniken und Darstellungsformen dieser Textsorten und Kommunikationsformen neu sind; vielmehr eröffnen sie Möglichkeiten für öffentliche und kollaborative Arbeitsformen, die bisher nicht hätten realisiert werden können, z.B. das gemeinsame Arbeiten an Texten, die schnelle und hierarchiefreie Kommunikation innerhalb großer, ortsverteilter Gruppen usw. Damit verbunden sind häufig auch Merkmale, die traditionellen hochschulliteralen Praktiken formal und inhaltlich widersprechen, etwa das Öffentlich-Machen von „unfertigen“ Gedanken und Schreibprozessen oder persönliche und emotionale Wertungen. Solche neuen literalen Praktiken treten nicht an die Stelle traditioneller Textsorten, sondern verhalten komplementär dazu oder begleiten sie; auf jeden Fall aber erweitern sie das Spektrum wissenschaftlicher Schriftlichkeit erheblich. --- In der Arbeit geht es darum, Implikationen des Veränderungsprozesses auch für das Verständnis von Lernen, Lehre und Wissenschaft aufzuzeigen. Eine bewusste Gestaltung dieses Prozesses – z.B. durch hochschuldidaktische Maßnahmen – erfordert nicht nur den praktischen Umgang mit neuen (hochschulliteralen) Textsorten, sondern auch die Reflexion darüber, welche Veränderungen durch die eigene Praxis mit initiiert werden und schließlich die Beteiligung der Hochschulen an der Diskussion über diesen Prozess, der öffentlich und schriftlich – mit Hilfe unterschiedlicher neuer literaler Praktiken – im Internet bereits geführt wird.

Hinweis zum Urheberrecht

Für Dokumente, die in elektronischer Form über Datenenetze angeboten werden, gilt uneingeschränkt das Urheberrechtsgesetz (UrhG). Insbesondere gilt:

Einzelne Vervielfältigungen, z.B. Kopien und Ausdrucke, dürfen nur zum privaten und sonstigen eigenen Gebrauch angefertigt werden (Paragraph 53 Urheberrecht). Die Herstellung und Verbreitung von weiteren Reproduktionen ist nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Urhebers gestattet.

Der Benutzer ist für die Einhaltung der Rechtsvorschriften selbst verantwortlich und kann bei Mißbrauch haftbar gemacht werden.