Netzneutralität : soll die Neutralität des Internet staatlich reguliert werden?

URN urn:nbn:de:gbv:705-opus-29349
URL
Dokumentart: ResearchPaper
Institut: Institut für Theoretische Volkswirtschaftslehre
Sprache: Deutsch
Erstellungsjahr: 2011
Publikationsdatum:
Bemerkung: Volltextzugang nur innerhalb des Campusnetzes der HSU
Originalveröffentlichung: Diskussionspapier Nr. 111, Mai 2011 (2011)
SWD-Schlagwörter: Regulierung , Dienstgüte
Freie Schlagwörter (Deutsch): Internet , Netzneutralität
Freie Schlagwörter (Englisch): Priority Pricing
DDC-Sachgruppe: Wirtschaft

Kurzfassung auf Deutsch:

Ob die Netzneutralität im Internet staatlich reguliert werden sollte, wird in Deutschland, auf europäischer Ebene und in den USA intensiv diskutiert. Unter Netzneutralität wird verstanden, dass sämtliche Datenpakete aller Dienste und Nutzer immer strikt gleich behandelt werden, unabhängig von dem ökonomischen Wert einer verzögerungsfreien Weiterleitung. --- Da man sich inzwischen weitgehend einig ist, dass eine Blockierung oder Drosselung von Datenpaketen aus Gründen einer inhaltlichen Zensur oder zum Zwecke der Behinderung substitutiver Dienste untersagt werden sollte, konzentriert sich das Problem auf den Umgang mit temporären Überlasten. Während die Internetdienste auf der Datenpaket- und Infrastrukturebene praktisch homogen sind, sind sie auf der Anwendungsebene stark heterogen (insb. bezüglich Qualitätssensitivität, Datenrate und wirtschaftlichem Wert staufreien Transports) und werden von den Überlastsituationen unterschiedlich stark beeinträchtigt, am meisten die interaktiven Dienste (Internettelefonie, Telemedizin etc.) und einige Business-Dienste, am wenigsten die datenintensiven P2P-Downloads sowie E-mails und Internetsurfen. Die Kombination von Nutzer-Flatrates und Netzneutralität kann dazu führen, dass qualitätssensitive wirtschaftlich wertvolle Dienste von nicht-qualitätssensitiven geringerwertigen Diensten erheblich beeinträchtigt oder gar verdrängt werden. --- Die für Ökonomen spontan nahe liegende Lösung ist die Ersetzung von Flatrates durch volumenbasierte Tarife (bzw. Mengencaps etc.) mit Spitzenlastpreisen. Abgesehen von erheblichen Implementierungsproblemen ist dies jedoch auch aus ökonomisch-theoretischer Sicht nicht effizient, da es einige Dienste vom Internet quasi ausschließen würde, obwohl die Grenzkosten in bestimmten Zeitslots null sind und die Datenpakete problemlos warten könnten. --- Von einigen wird ein Overprovisioning gefordert, also das Halten einer Überkapazität im Internet. Dies ist ebenfalls ökonomisch ineffizient, löst nicht das Problem angebotsinduzierter Überlast (partielle Netzausfälle) und liefert den Netzbetreibern keine adäquaten Investitionsanreize. --- Die ökonomisch optimale Lösung besteht in einer pretialen Priorisierung (Priority Pricing), bei der die Anbieter für eine bevorzugte Behandlung a priori zahlen können, so dass ihre Datenpakete bei Überlast nach Maßgabe der gewählten Priorität abgewickelt werden. Während viele Dienste (z.B. E-mails, Internetsurfen und Downloads) beim Best Effort Service bleiben und keinen Prioritätspreis zahlen werden, werden sich die Anbieter von qualitätssensitiven, wertvollen Diensten (vorwiegend kommerzielle Anbieter) für eine der Premium Service Klassen entscheiden und einen positiven Prioritätspreis zahlen. Dies führt im Ergebnis zu höheren Erlösen der Netzbetreiber von den letztgenannten Nutzergruppen und als Folge des Wettbewerbs zu einer Senkung der Preise für die Internetnutzung normaler Konsumenten. --- Das wichtigste Ergebnis besteht darin, dass ein solches marktwirtschaftlich-wettbewerbliches Regime aus sich heraus zu effizienten Ergebnissen führt und eine staatliche Regulierung der Netzneutralität des Internet überflüssig und schädlich ist.

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