Mikropolitik des Alltagsgespräches – Über die performative Konstruktion „des Anderen“ in alltäglichen Face-to-Face-Interaktionen : eine integrative Vorurteilsforschung über Formen performativer Gewalt in Alltagssprache im kontrastiven Vergleich zum Internetdiskurs

URN urn:nbn:de:gbv:705-opus-32399
URL
Dokumentart: Dissertation
Institut: Institut für Soziologie
Fakultät: Fakultät Geistes- und Sozialwissenschaften
Hauptberichter: Prof. Dr. Udo Kelle
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 14.12.2018
Erstellungsjahr: 2019
Publikationsdatum:
SWD-Schlagwörter: Sozialwissenschaften , Soziologie
Freie Schlagwörter (Deutsch): Mikropolitik, Alltagsgespräche, Performance, Face-to-Face-Interaktion, integrative Vorurteilsforschung, performativer Gewalt, Alltagssprache, Internet
Freie Schlagwörter (Englisch): -
DDC-Sachgruppe: Erziehung, Schul- und Bildungswesen

Kurzfassung auf Deutsch:

Die kommunikative Grundstruktur violenter Alltagssprache ist hierarchisch geordnet. In dieses Gefüge sind symbolische Wissensbestände semiotisch und kognitiv in Form von „deep seated frames“ (George LAKOFF) eingelagert. Sie (re)produzieren sich tagtäglich im Stile einer „diskursiven Performativität“ (Judith BUTLER). Wiederkehrende sprachliche Differenzpraktiken über Menschengruppen kennzeichnen ständig als „Marker“ (BONN, KNÖPPLER & SOUZA) den Gültigkeitsanspruch etablierter Vorstellungen über Identität, Zugehörigkeit, Normalität und Devianz. Die Art und Weise, wie sie angewendet und welche Bilder evoziert werden (beispielsweise als metaphorische Feindbildvorstellungen), entwerfen diese Vorstellungen eine soziale Rangordnung, die die Gesellschaft in Etablierte, Ambivalente und Distinguierte einteilt. Gewaltsprache schafft polare Verhältnisse und narrative Plausibilitäten. Sie figuriert die besprochenen Adressaten innerhalb eines Feldes von Ungleichheitsvorstellungen und bringt gesellschaftliche Asymmetrien hervor. In Diskursen über fremde Andere oder andere Fremde werden sprachliche Gebrauchsweisen wie „Resignifizierung“ (Judith BUTLER) und „Retorsion“ (Pierre-André TAGUIEFF) erkennbar. Sie stellen ein wichtiges und strategisches Kampfmittel dar, wenn es um gesellschaftliche Anerkennung und symbolische Konkurrenz geht. Verletzende Sprechakte sind als Gegenstand einer empirischen Vorurteilsforschung eine besondere Herausforderung. Sie tauchen verborgen in der öffentlichen Anonymität einer sogenannten Alltäglichkeit auf, in der die offensichtliche Anwesenheit des Forschers selten willkommen ist. In diesem Kontext stelle ich das „Inszenatorische Interview“, sowie „Inszenatorische Interviews“ als dramaturgische Rollenspiele vor. Das sind Instrumentarien geeignete für die gehaltvolle Erfassung von Alltagskommunikation in Interaktionssituationen. Das Hauptaugenmerk der vorliegenden Arbeit konzentriert sich von Formen performativer Gewalt in Alltagssprache ausgehend auf vergleichbare Differenzpraktiken im Internetdiskurs. In diesen Zusammenhängen arbeite ich in meiner Dissertation Anrufungsperspektiven und semantische Netzwerkstrukturen verletzender Sprache heraus. Ich zeichne nach, wie diskursive Differenzierungsprozesse zur Vergegenständlichung ihrer Subjekte und zu vielfältigen symbolischen Verletzungsdimensionen ihrer Adressaten führen.

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