Ethnische Probleme in Rumänien

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Dokumentart: ResearchPaper
Institut: Fakultät Geistes- und Sozialwissenschaften/Allgemein
Sprache: Deutsch
Erstellungsjahr: 1995
Publikationsdatum:
Bemerkung: Volltextzugang nur innerhalb des Campusnetzes der HSU
Originalveröffentlichung: Beiträge aus dem Fachbereich Pädagogik ; 6/1995 (1995)
DDC-Sachgruppe: Politik

Kurzfassung auf Deutsch:

Mit dem Ende der kommunistischen Herrschaft in Ost- und Südosteuropa sind eine Vielzahl ethnischer Spannungen und Konflikte in dieser Region Europas sichtbar geworden. Nichts lag daher zunächst näher, als diese zum Teil eruptiv in Erscheinung tretenden und um sich greifenden Auseinandersetzungen als problematische Hinterlassenschaft der kommunistischen und nationalkommunistischen Ideologie und Herrschaftsausübung zu betrachten. Tatsächlich lassen sich wichtige Erscheinungsformen der gegenwärtigen interethnischen Konflikte auf die Art der Behandlung der Nationalitätenfragen unter kommunistischen Herrschaftsbedingungen wie auch auf die spezifische Dynamik der politischen Entwicklungen nach der Überwindung des kommunistischen Ideologie- und Machtmonopols in den einzelnen ost- und südosteuropäischen Staaten zurückführen. Zugleich wird aber deutlich, dass den heute in Erscheinung tretenden ethnischen Spannungen und Verwerfungen auch längerfristige, historisch überkommene Modernisierungs- und Strukturkonflikte zu Grunde liegen, die in der sozialwissenschaftlichen Problemanalyse nähere Berücksichtigung finden müssen. Im ersten Aufsatz dieses Heftes ("Historische Aspekte der ethnischen Beziehungen und Konflikte in Rumänien") wird ein Überblick über die langfristigen Entwicklungen der interethnischen Beziehungen und Konflikte in Rumänien unter besonderer Berücksichtigung der Zwischenkriegszeit zu vermitteln versucht. Dabei soll aufgezeigt werden, daß die ethnischen Beziehungen nicht immer und überall konflikthafte Züge angenommen haben und dass die bis zur Gegenwart fortbestehenden ethnischen Spannungen nicht zuletzt als Folge gravierender Modernisierungsrückstände und insbesondere verspätet erfolgter, bis heute noch keineswegs befriedigend zum Abschluß gekommener, vielfach tief umstrittener Prozesse der Staaten- und Nationenbildung in Südosteuropa zu betrachten sind. Diese historisch überkommenen interethnischen Konflikte und Minderheitenprobleme stellten nicht nur in der Vergangenheit eine schwere Belastung der sozialen Beziehungen dar. Sie sind ebenso als ein wesentliches Problem und eine große Herausforderung der gegenwärtigen Demokratisierungs- und Modernisierungsbestrebungen in Rumänien wie auch in anderen ost- und südosteuropäischen Staaten anzusehen. Demnach spricht vieles dafür, daß die historische "Hypothek" interethnischer Konflikte auch weiterhin ein wichtiges Problemfeld der soziologischen Analysen und Betrachtungen des Wandels in Ost- und Südosteuropa bleiben wird. Vor dem Hintergrund der langfristigen Entwicklungen der ethnischen Beziehungen und Konflikte in Rumänien sollen sodann im zweiten Aufsatz des Heftes ("Zur Aussiedlung der Deutschen aus Rumänien") das spezifische Verlaufsmuster und die strukturellen Ursachen, die wesentlichen Motive und die politischen Randbedingungen des Auswanderungsprozesses der Deutschen aus Rumänien näher dargestellt werden. Die Deutschen aus Rumänien blieben von den Vertreibungen aus Ostmittel- und Südosteuropa, von denen Hunderttausende von Menschen betroffen waren, bekanntlich zunächst ausgenommen, wenngleich sich auch ihre Zahl, durch die Kriegs- und Nachkriegsereignisse bedingt, nahezu halbierte. Der Prozeß einer massiven Auswanderung, der dazu führte, daß die deutsche Minderheit in Rumänien heute auf eine kleine Restgruppe zusammengeschmolzen ist, setzte erst Ende der sechziger Jahre ein, gewann dann aber - insbesondere in den siebziger und achtziger Jahren - eine fortschreitende Dynamik und Eigendynamik, so daß es nach dem Ende des Ceausescu-Regimes im Dezember 1989 zu einer Massenauswanderung von etwa 111.000 Menschen im Jahre 1990 und von weiteren Zehntausenden von Aussiedlern in den darauffolgenden Jahren kam. Nebst der Ausleuchtung der historischen und strukturellen Hintergründe des Aussiedlungsprozesses soll es in diesem Aufsatz daher auch darum gehen, eingehender herauszuarbeiten und darzulegen, inwiefern es sich dabei auch und nicht zuletzt um einen "eigendynamischen", also einen sich selbst in Gang haltenden oder verstärkenden sozialen Vorgang handelt, der auch im Falle anderer Migrationsprozesse in ähnlicher Weise auftreten kann. Die hier vorgelegten Aufsätze gehen auf Vorträge zurück, die in den letzten Monaten in München, bein Südostdeutschen Kulturwerk, und an der Universität Bochum gehalten wurden. In ihnen finden zugleich die intensiven Diskussionen über entsprechende Themen ihren Niederschlag, die ich im Kreis der Kolleginnen und Kollegen an der Universität der Bundeswehr Hamburg und an der Universität Heidelberg führen konnte. Dies gibt mir Anlaß, allen zu danken, die mich zu den einzelnen Überlegungen aufgefordert, die mich angeregt und beeinflußt oder die kritisch auf meine ursprünglichen Ausführungen reagiert haben und mir so Gelegenheit zur Korrektur und Weiterführung der Gedanken gaben. Wie sehr ich auch in diesem Zusammenhang allen Grund habe, für viele Anregungen und kritische Einwände dankbar zu sein, versteht es sich doch von selbst, daß die hier vorgestellten Überlegungen - insbesondere im Hinblick auf ihre Unzulänglichkeiten und Schwächen - allein von mir zu vertreten sind. Ich möchte bei dieser Gelegenheit auch endlich den Herausgebern dieser Schriftenreihe, Herrn Professor Lutz R. Reuter und Herrn Professor Gerhard Strunk danken, die sich in den zurückliegenden Jahren wiederholt zur Publikation meiner Texte in dieser Reihe bereit fanden, so daß diese Arbeiten zügig erscheinen und - wie ich durch entsprechende Rückmeldungen erfuhr - manchen interessierten Leser erreichen konnten. Aus technischen Gründen mußte in den vorliegenden Texten bei der Schreibweise rumänischer Wörter und Namen auf die Verwendung diakritischer Zeichen verzichtet werden. Ich möchte den sachkundigen und kritischen Leser diesbezüglich um Verständnis und Nachsicht bitten.

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