Überlegungen zum Stand der soziologischen Südosteuropaforschung und zur Sozialstruktur südosteuropäischer Gesellschaften

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Dokumentart: ResearchPaper
Institut: Fakultät Geistes- und Sozialwissenschaften/Allgemein
Schriftenreihe: Beiträge aus dem Fachbereich Pädagogik
Bandnummer: 1996,2
Sprache: Deutsch
Erstellungsjahr: 1996
Publikationsdatum:
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DDC-Sachgruppe: Sozialwissenschaften, Soziologie

Kurzfassung auf Deutsch:

Mehr noch als die soziologische Osteuropaforschung generell zählt die soziologische Forschung über Südosteuropa zu den lange Zeit weitgehend vernachlässigten Gebieten der deutschen Soziologie. Dies hat viele außerwissenschaftliche wie auch wissenschaftsimmanente Gründe, die an anderen Stellen näher dargelegt worden sind. Selbst wenn sich die äußeren Rahmenbedingungen heute wesentlich verbessert haben und auch das Interesse an der soziologischen Beschäftigung mit Ost- und Südosteuropa im Rahmen der deutschen Soziologie deutlich gestiegen ist, sind die Dinge doch noch weit davon entfernt, einen befriedigenden Entwicklungsstand erreicht zu haben. Im ersten Aufsatz dieses Heftes ("Zur soziologischen Südosteuropa- und Rumänienforschung") soll daher ein Überblick über die soziologische Südosteuropaforschung und insbesondere die Rumänienforschung gegeben werden, der einige Schwerpunkte der Forschung und der wissenschaftlichen Zusammenarbeit, aber auch auffällige Defizite anspricht sowie einige Desiderate im Hinblick auf die zukünftige Arbeit formuliert. Ein Kernproblem der soziologischen Forschung über Südosteuropa liegt in den unübersehbaren theoretischen Mängel und empirischen Lücken der Sozialstrukturanalyse. Im Vergleich zur Kultur und Geschichte, zur ethnischen Minderheitenproblematik und Bevölkerungsentwicklung, zum politischen Geschehen, zum Institutionenwandel oder den wirtschaftlichen Verhältnissen erscheinen die sozialstrukturellen Gegebenheiten südosteuropäischer Gesellschaften weitgehend unteranalysiert. Selbst die wesentlichen Grundzüge ihrer Sozialstrukturen sind wenig bekannt. Viele Schwierigkeiten liegen schon in den Ausgangspunkten der sozialstrukturellen Analysen und Betrachtungsweisen begründet, zumal gängige Klassen- und Schichtungskonzepte, mit denen die Sozialstrukturforschung häufig operiert, auf die Gegebenheiten südosteuropäischer Gesellschaften nicht ohne weiteres anwendbar erscheinen. Im zweiten Aufsatz des Heftes ("Überlegungen zur Klassentheorie und zur Sozialstruktur südosteuropäischer Gesellschaften") soll - vor dem Hintergrund entsprechender theoretischer Erörterungen - auf der Grundlage empirischer Befunde gezeigt werden, warum eine klassentheoretische Betrachtung der Sozialstrukturen südosteuropäischer Gesellschaften unangemessen wäre und weshalb eher Prozesse der sozialen Schließung im Mittelpunkt der Analyse stehen sollten. Mit Vorgängen der sozialen Schließung und der Rolle des "sozialen Kapitals" wird sich auch der dritte Aufsatz ("Soziales Kapital und soziale Schließung") näher beschäftigen, in dem einige grundlegende Überlegungen zum "sozialen Kapital" entwickelt und einige Hinweise zur Rolle des "sozialen Kapitals" in fortgeschrittenen westlichen und in ost- und südosteuropäischen Gesellschaften gegeben werden. Die drei Aufsätze, die hier zusammengeführt wurden, gehen auf Beiträge zu wissenschaftlichen Tagungen zurück, die im Herbst 1995 stattfanden. Der Aufsatz "Zur soziologischen Südosteuropa- und Rumänienforschung" stellt eine überarbeitete Fassung meines Vortrages "Die soziologische Ost- und Südosteuropaforschung in der Bundesrepublik Deutschland - unter besonderer Berücksichtigung der Rumänienforschung" dar. Den Vortrag habe ich auf dem Symposion "Stand der Südosteuropa-Forschung in Deutschland und Rumänien - Möglichkeiten der deutsch-rumänischen Zusammenarbeit" gehalten, das vom 5. bis 6. Oktober 1995 von der Südosteuropa-Gesellschaft und der Rumänischen Kulturstiftung anläßlich der Deutschen Kulturwochen in Rumänien in Bukarest veranstaltet wurde. Bei dem Aufsatz "Überlegungen zur Klassentheorie und zur Sozialstruktur südosteuropäischer Gesellschaften" handelt es sich um eine überarbeitete Fassung meines Beitrages "Die Grenzen klassentheoretischer Analysekategorien in der Sozialstrukturanalyse südosteuropäischer Gesellschaften" zu der Arbeitstagung: "Klassentheorie am Ende der Klassengesellschaft" der Sektion "Soziale Ungleichheit und Sozialstrukturanalyse" in der Deutschen Gesellschaft für Soziologie, die am 7. bis 8. Oktober 1995 in Hannover stattfand. Der Aufsatz "Soziales Kapital und soziale Schließung" schließlich geht auf den Beitrag "Anmerkungen zum Begriff und zur Rolle des sozialen Kapitals in der Leistungsgesellschaft", zum 14. Österreichischen Kongreß für Soziologie, der vom 28. bis 30. September 1995 in Innsbruck ausgerichtet wurde, zurück. Ein Band mit dem Titel "Kontinuitäten und Wandel in Rumänien und Südosteuropa" befindet sich in Vorbereitung und soll voraussichtlich in diesem Jahr erscheinen. Darin werden hier vorgestellte Gedanken wiederaufgenommen und in den Zusammenhang weiterführender und ergänzender Überlegungen gestellt werden.

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