Bonding : Infrastructure, affect, and the emergence of urban collectivity

Bonding : Infrastructure, affect, and the emergence of urban collectivity

Bonding: Infrastruktur, Affekt und die Emergenz urbaner Kollektivität

URN urn:nbn:de:gbv:1373-opus-5401
URL
Dokumentart: Dissertation
Institut: Kultur der Metropole
Hauptberichter: Färber, Alexa
Sprache: Englisch
Tag der mündlichen Prüfung: 19.08.2020
Erstellungsjahr: 2020
Publikationsdatum:
SWD-Schlagwörter: Infrastruktur , Transport , Affekt , Actor-Network-Theory , Assemblage , Neuer Materialismus , Stadtforschung , Urbanität , Ethnologie , Geografie
Freie Schlagwörter (Deutsch): Kollektivität , Verbindungen
Freie Schlagwörter (Englisch): Urban Studies , Urban Anthropology , Ethnography , Human Geography , Cultural Studies , Mobility Studies , Public Transport , Rio de Janeiro
DDC-Sachgruppe: Landschaftsgestaltung, Raumplanung

Kurzfassung auf Englisch:

This thesis examines the emergence of urban collectivity in the face of infrastructural breakdown and the failed promises of access to the city. In Brazil (2013) and Chile (2019), mass protests against fare increases in public transport have contested the ways in which deteriorating urban services further aggravate conditions of social and spatial inequality for a majority of city populations. These new urban movements frame the present study, which conceives of them as part of a “South” that has become the source for a series of generative theorizing in the field of urban studies. The fare-protests are seen here as exemplary for forms of collectivity that elude existing understandings of urban transformation and endurance. In other words, they have raised questions that point to the relevance of academic engagements with the forces, movements, things and affects that hold urban collectivities together: How to make sense of the emergence of spontaneous alliances between people of conflictive socioeconomic backgrounds and political convictions? And how to account for the collective agency and persistence of ostensibly ephemeral and fluid formations? I approach these questions from a case of infrastructural breakdown that has catapulted one of Rio de Janeiro’s popular central city districts into a decade-long period of suspension. Between 2014 and 2019, I have carried out ethnographic fieldwork to canvass the attitudes of residents about the loss and subsequent re-installation of their bonde – the Brazilian word for tramway. Bonding makes a conceptual proposal that takes the relations between people and material elements in the city as starting point for the emergence of urban collectivity. Re-assembling, as explained in the first part of this thesis, describes a formation through which infrastructural matters have brought together repeatedly over a period of seven years a heterogeneous set of protesters, forging temporary alliances between bourgeois and working-class residents of the neighborhood based on shared intensities of how the tramway could be “felt into being” during the period of suspension – and of how it could in turn be enacted as absent after its re-installation. To add a temporal layer to this observation about the tenacity of particular collectives, I introduce the notion of premissory assemblage, which designates a formation that evolves around the cultural legacy of tramways (in Rio and beyond) and that points to how urban imaginaries, embodied memories, collective resentments and desires that un/relate people and urban matters today are entangled with the history this particular technology. The second part of this thesis develops “bonding” as a concept, to reconcile the paradox of the seemingly solid and the yet transitory, of tight attachments and noncommittal relationships that I believe helps approach the question what holds the city together. I introduce the notion of material resistance here to point to how the micropolitical quality of relations between residents and the tramway has generated both revolutionary claims for fare-free transport and a reactionary holding-on to its peculiarities. Further exploring the elasticity of such relations, I show how the originally outspoken promise of tramway-return has become distributed across other infrastructural elements and how such promissory things have condensed temporal and spatio-affective dynamics of anticipation, speculation and deferral into a sense of togetherness that bolstered local ways of organizing collective life. Finally, I argue that particular formations that best be described as “urban majorities” manage to uphold their fragile balances through a simultaneous movement of care for looseness and by putting disrepair into action – and by this convey some of the collectivities that endure out of the way of urban politics redemptive enactments.

Kurzfassung auf Deutsch:

Diese Dissertation nimmt enttäuschte Versprechen vom Zugang zur Stadt zum Anlass einer Untersuchung urbaner Formen von Kollektivität. Fahrpreiserhöhungen im öffentlichen Verkehr haben im vergangenen Jahrzehnt in Brasilien (2013) und Chile (2019) Massenproteste gegen den Abbau öffentlicher Infrastrukturen und die hiermit einhergehende Verschärfung von sozialer und räumlicher Ungleichheit ausgelöst. Diese urbanen Bewegungen bilden nicht nur den zeitlichen Rahmen der vorliegenden Studie. Ich verstehe die Proteste als Teil eines „Globalen Südens“, der in den vergangenen Jahren zum Ausgangspunkt einer Reihe von Theorieansätzen in der interdisziplinären Stadtforschung geworden ist. Die südamerikanischen Massenproteste stehen hier beispielhaft für Formen urbaner Kollektivität, die sich dem bisherigen Verständnis städtischer Transformationsprozesse entziehen. Denn die Proteste haben Fragen aufgeworfen, die auf die Dringlichkeit einer Beschäftigung mit den Kräften, Bewegungen, Dingen und Affekten hinweisen, welche diese Kollektive zusammenhalten: Wie lässt sich das Bilden spontaner Allianzen zwischen Bewohner*innen mit konträren politischen Überzeugungen und sozio-ökonomischen Zugehörigkeiten begreifen? Und wie werden diese scheinbar unbeständigen und wechselhaften Kollektive handlungs- und widerstandsfähig? Ich nähere mich diesen Fragen über eine Untersuchung des Konflikts um die älteste elektrische Straßenbahnlinie Südamerikas, in Rio de Janeiro. Zwischen 2014 und 2019 habe ich in dem betroffenen innerstädtischen Stadtteil eine ethnologische Feldforschung durchgeführt, welche sich auf den jahrelangen Ausfall der bonde (Brasilianisch für Straßenbahn) und die lokalen Forderungen nach ihrem Wiedereinsetzen konzentriert. Bonding macht hier einen konzeptionellen Vorschlag, der den Schwerpunkt auf die Verbindungen zwischen Bewohner*innen und urbaner Materialität legt. Im ersten Teil der Arbeit zeige ich, wie die bonde selbst Formationen urbaner Kollektivität beeinflusst hat. Ich führe zu diesem Zweck zunächst den Begriff des re-assembling ein, der beschreibt, wie infrastrukturelle Dinge/Belange über einen Zeitraum von sieben Jahren eine heterogene Gruppe von Protestierenden im Stadtteil immer wieder neu versammelt haben. Dieser Formationsprozess basiert auf kollektiven Erfahrungen, welche die Bahn trotz ihrer Abwesenheit „präsent“ werden – und sie nach ihrer Rückkehr als „abwesend“ aufrufen ließen. Um dieser paradoxen Beobachtung zur Beharrlichkeit bestimmter Kollektive eine zeitliche Dimension zu geben führe ich den Begriff der premissory assemblage ein. Dieser verweist darauf, wie aktuelle Formationen von Kollektivität mit Imaginationen des Urbanen, verkörperten Erinnerungen, Ressentiments und Verlangen zusammenhängen, die wiederum eng mit der Geschichte von Straßenbahn-Technologie (in Rio und darüber hinaus) verwoben sind. Der zweite Teil der Arbeit entwickelt „bonding“ als Konzept, um das urbane Paradox von flüchtigen und dennoch verlässlichen, von scheinbar stabilen und dennoch unverbindlichen Verbindungen zu versöhnen und so einen Beitrag zu der Frage zu leisten was die Stadt zusammenhält. Ich zeige hier anhand von drei Begriffen – material resistance, promissory things, loose bonds – welche Qualitäten der Verbindung es ermöglichen, das fragile Gleichgewicht kollektiven Lebens in dem von mir untersuchten Stadtteil aufrechtzuerhalten. „Material Resistance“ zeigt, wie sich die Widerstandsfähigkeit der hundertjährigen bonde über subtile, habituelle Bewegungen auf die lokalen Bewohner*innen übertragen hat, und wie diese Verbindung sowohl revolutionäre Forderungen nach kostenlosem Transport als auch ein reaktionäres Festhalten an den (Bahn-)Eigenheiten hervorbringt. „Promissory Things“ verweist darauf, wie bestimmte Elemente der Infrastruktur zur Elastizität von Verbindungen beitragen indem sie selbst Versprechen machen, die gerade aufgrund ihrer Unverlässlichkeit den Raum für Verhandlungen zwischen den unterschiedlichen Bewohner*innen, sowie zwischen diesen und den städtischen Autoritäten öffnen. Als „Loose Bonds“ schließlich bezeichne ich Verbindungen, welche aus unbewussten, affektiven Dynamiken von Abscheu, Entkopplung, und Distanzierung entstehen – und auf die bestimmte urbane Kollektive angewiesen sind, um überhaupt zu bestehen.

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