Zukunft auf Probe. Verhältnisse von szenischer Kunst und Zukunftsforschung

Futures on Trial. Relations between Performing Arts and Future Studies

URN urn:nbn:de:gbv:1373-opus-5194
URL
Dokumentart: Dissertation
Institut: Kultur der Metropole
Hauptberichter: Peters, Sibylle
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 07.12.2018
Erstellungsjahr: 2018
Publikationsdatum:
SWD-Schlagwörter: Futurologie , Zukunft , Teilhabe , Kind , Theater , Aufführung
Freie Schlagwörter (Deutsch): Zukunftsforschung , Zukunft , Teilhabe , Kinder , Künstlerische Forschung , Theater , Performance , Probe
Freie Schlagwörter (Englisch): Future Studies , Future , Participation , Children , Artistic Research , Performing Arts , Rehearsing Futures
DDC-Sachgruppe: Theater, Tanz

Kurzfassung auf Deutsch:

Die Studie untersucht Verhältnisse von szenischer Kunst und Zukunftsforschung. Aus kultur- und theaterwissenschaftlicher Perspektive sowie im Rahmen künstlerischer Forschungsprojekte mit Kindern wird nach den Rollen gefragt, die die szenischen und performativen Künste in der Zukunftsforschung spielen oder als eine alternative Zukunftsforschung spielen könnten. Ausgangspunkt hierfür ist die Beobachtung, das sowohl historisch als auch aktuell wechselseitige Bezugnahmen zwischen dem Feld der Zukunftsforschung und dem Theater/den szenischen Künsten vorliegen. Paradigmatisch hierfür sind das Dispositiv des Szenarios und die ,Szenariotechnikenʼ, die für die interdisziplinäre Zukunftsforschung ab der Mitte des 20. Jahrhunderts konstitutiv sind. Obwohl das ,Szenariumʼ aus der Praxis des Theaters stammt, steht die Entwicklung von Zukunftsszenarien hier nicht in Zusammenhang mit einer szenischen Praxis. Im Zentrum dieser Arbeit steht deswegen die Frage danach, wie sich Zukunftsszenarien – und übergreifend – wie sich Zukunftsforschung als eine szenische und performative Praxis und Forschung gestalten und ermöglichen lässt. Dabei wird ausgelotet, inwiefern eine solche Zukunftsforschung das Potenzial besitzt, eine alternative Zukunftsforschung zu sein, mit der andere Zukunftsvorstellungen, andere Formen der öffentlichen Teilhabe an Zukunftsforschung oder ein anderer Umgang mit Zukunft als der eines 'Zukunftsmanagements' ermöglicht werden. Der Arbeit liegt eine Betrachtung der jüngeren Geschichte der Zukunftsforschung und ihren Verortungen zwischen Wissenschaft und Kunst zu Grunde. Orientierungen an der Kunst und künstlerischen Prozessen werden herausgearbeitet, sowie die Versprechen analysiert, die damit einhergehen. Das erste künstlerischen Forschungsprojekt "Junges Institut für Zukunftsforschung" setzt die Teilhabe von Kindern und Jugendlichen an Zukunftsforschung öffentlich in Szene. Anhand des experimentellen Aufbaus und ausgewählter Szenen aus dem Prozess können Potenziale aber auch Schwierigkeiten einer szenisch-performativen Zukunftsforschung benannt werden. Hierzu zählt unter anderem das Problem der Reproduktion gegenwärtiger Zukünfte. Das zweite künstlerische Projekt "The Shape of Things to Come" betreibt daher eine szenisch-performative Analyse von wirkmächtigen visuellen Darstellungsformen der Zukunft. Am Beispiel von drei Zukunftsformen (shapes) wird diskutiert, wie sie das gesellschaftliche Zukunftsdenken und -handeln formen und die Zukunft selbst formatieren. Alternative Zukunftsforschung kann damit auch als eine Forschung am Konzept der Zukunft selbst verstanden werden, das oftmals vorausgesetzt, aber nicht expliziert wird. Schließlich wird vorgeschlagen, das Dispositiv der Probe - ausgehend von den szenischen Künsten - als Zukunftsforschung zu konzeptualisieren. Dies stellt eine Neubewertung des Verhältnisses von szenischer Kunst und Zukunftsforschung dar: Die szenischen Künste müssen nicht erst Zukunftsforschung werden, sondern sind es - im Modus der Probe – immer schon. Vor diesem Hintergrund kann die Praxis einer performativen Zukunftsforschung definiert werden, für die Kategorien von Raum, Körper und Handlung sowie Akte der performativen Selbsterzeugung wesentlich sind. Praktiken der klassischen Theaterprobe werden als Zukunftsforschung neu perspektiviert (hinstellen – vorstellen, improvisieren – visionieren), aber auch die öffentliche Aufführung/ Performance wird als Probe auf eine mögliche Zukunft in den Blick genommen (veröffentlichen – eröffnen, instituieren – anfangen). Die Arbeit leistet mit dem Konzept einer öffentlichen Probe/eines Probens in und mit Öffentlichkeiten einen Beitrag zur Probenforschung in den Theaterwissenschaften ebenso wie sie Ansätze einer politischen Zukunftsforschung formuliert, die demokratische Zukunft auf Probe (real-)experimentell erzeugt und erforscht.

Kurzfassung auf Englisch:

This study examines relations between performing arts and future studies from the perspective of theatre science/performance theory and within the framework of artistic research with children. It questions the roles the performing arts play in the field of future studies or could play as an alternative mode of researching the/a future. Starting point are references between the two fields, that can be observed historically and today. A significant example is the term 'scenario' and the technique of 'scenario planning', that is constitutive for the interdisciplinary field of future studies since the middle of the 20th century. Although the term 'scenario' or 'Szenarium' has its origin in theatre, it is not linked to a theatrical or performative practice. There is a need to explore how the development of future scenarios and – more general – how future studies can be realised in a practical and performative way. The following questions are explored in a theoretical and practical approach: Can a performative approach produce alternative visions of the future beyond a 'future consensus'? Can it offer new forms of public participation in the production of future knowledge? Can it produce a way of dealing with the future other than a 'future management'? The work is based on a historical analysis of future studies and their positioning between science and art. References to the arts are worked out as well as the promises, that com'e along. The first artistic project 'Junges Institut für Zukunftsforschung' stages the participation of children in the research of the future. Potentials but also difficulties of an artistic research of the future can be identified regarding the experimental setup and the research process. The second artistic projet 'The Shape of Things to Come' deals with visual representations or visual forms of the future and conducts a performative analysis of these shapes. It is discussed, in what way visual shapes also shape our (mental) concept of the future. An alternative research of the future can also be understood as a research on the concept of the future itself, that is rarely made explicit. Finally i propose to think the rehearsal/the practice of rehearsing, that is typical for the field of performing arts, as a mode of future studies. Like this, the relation of future studies and performing arts is reformulated. It is argued, that performative practices of rehearsing can already be seen as practices of future research. Furthermore it is worked out, that also public performances can become a tryout for a possible future: They consist of performative acts of making things public or of instituting a new public. Like this, the concept of a performative and political research of the future, that produces a democratic 'future on trial', is formulated.

Hinweis zum Urheberrecht

Für Dokumente, die in elektronischer Form über Datenenetze angeboten werden, gilt uneingeschränkt das Urheberrechtsgesetz (UrhG). Insbesondere gilt:

Einzelne Vervielfältigungen, z.B. Kopien und Ausdrucke, dürfen nur zum privaten und sonstigen eigenen Gebrauch angefertigt werden (Paragraph 53 Urheberrecht). Die Herstellung und Verbreitung von weiteren Reproduktionen ist nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Urhebers gestattet.

Der Benutzer ist für die Einhaltung der Rechtsvorschriften selbst verantwortlich und kann bei Mißbrauch haftbar gemacht werden.